Sonne tanken auf Fuerteventura

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Kilometerlange Sandstrände sind das Markenzeichen von Fuerteventura. Im Südwesten liegt fernab der Zivilisation der Playa de Cofete. Hier ist es sehr viel einsamer als in Jandía.

Nachdem wir mit dem Umbau unseres Hauses fertig waren, hatten wir Erholung dringend nötig. Außerdem waren wir – abgesehen von dem kurzen Frankreich-Intermezzo – schon anderthalb Jahre nicht mehr richtig weg gewesen. Im Süden waren wir davor zuletzt im Jahr 2013 (Hvar). Wir konnten also definitiv nicht mehr bis zum Sommer warten, um unseren Vitamin-D-Vorrat aufzufüllen. Also musste ich (Boris) wohl oder übel meine Flugangst überwinden und im Januar 2015 in ein Luftschiff steigen. Was uns später definitiv zu Gute kommen sollte, denn nun stand uns die Welt offen und wir bereisten unter anderem Malta, die USA und Kenia.

Die Kanaren sollten es sein – aber welche Insel?

Zum Ziel erkoren wir die Kanarischen Inseln – einfach, weil es der am nächsten gelegene Ort mit einer nahezu hundertprozentigen Sonnengarantie ist. Außerdem war Sara bereits auf Lanzarote gewesen und schwärmte davon, während ich als Flugmuffel bis dato ohnehin noch nie weiter weg war als an der Costa Brava. Nach einigem hin und her, welche der Kanarischen Inseln wohl die richtige Wahl wäre, entschieden wir uns für Fuerteventura. Das war gar nicht so einfach, denn jede der sieben Inseln hat ihre eigenen Reize:

  • El Hierro ist das kleinste und einsamste Eiland der Gruppe. Der Atlantik ist hier außergewöhnlich ruhig und das Wasser klar. Auch wandern kann man hier toll. Das Manko: Es gibt keine Direktflüge von Deutschland. Man muss also in Gran Canaria oder Teneriffa zwischenlanden – was für uns aufgrund meiner Flugangst nicht in Frage kam.
  • In La Palma regnet es am häufigsten, dafür ist es auch die Insel mit der üppigsten, grünsten Vegetation. Zwar beschränkt sich der Niederschlag auf den Winter, aber wir wollten ja im Januar los. Also war das eher schwierig. Außerdem ist La Palma eher für Wanderfreunde geeignet: tiefe Schluchten, hohe Berge, verschlafene Ortschaften – vielfach mit Meerespanorama im Hintergrund: Die Insel ist sicher toll, aber eben nicht für unseren damaligen Zweck.
  • Auf La Gomera geht es eher gemächlich zu. Fincas und Ferienwohnungen statt Hotelbunker – so lautet die Devise auf der ehemaligen Hippie-Insel. Dominiert wird das Bild vom Gebirge und den Steilküsten. Außerdem gibt es hier den größten zusammenhängenden Lorbeerwald der Welt. Die Anreise erfolgt über eine Fährverbindung von Teneriffa.
  • Teneriffa wiederum ist die größte der kanarischen Inseln. Im Norden existiert eine vielfältige Landschaft, die beinahe an Hawaii erinnert: Sandstrände wechseln sich ab mit Bergmassiven und üppiger Vegetation. Währenddessen sieht es im Süden ganz anders aus: Dort beherrschen langgestreckte Sandstrände das Bild. Wandern kann man rund um den Teide, der mit 3715 Metern der höchste Berg Spaniens ist.
  • Gran Canaria ist quasi die Party-Insel unter dem Septett. Wer auf quirliges Strandleben, Shopping und Nightlife steht, ist hier goldrichtig. Ruhe sucht man tendenziell eher vergeblich. Sehenswert sind die Dünen von Maspalomas und der Gebirgspass Cruz de Tejeda mit den malerischen umliegenden Dörfern.
  • Lanzarote ist im Grunde ein einziger Vulkan. Seit einem gewaltigen Ausbruch vor rund 300 Jahren ist der Boden schwarz, die Magma allgegenwärtig und unter der Oberfläche brodelt es. Heiße Fontänen, tosende Brandungen – Lanzarote ist wild!
  • Fuerteventura wirkt zunächst wie eine Marslandschaft: spröde, karg und wüst. Schwarze Felsen, Kakteen und Sand sind die vorherrschenden landschaftlichen Merkmale. Dafür hat die Insel die schönsten, längsten und feinsandigsten Strände der gesamten Kanaren zu bieten. Surfer kommen ebenso wie Strandurlauber voll und ganz auf ihre Kosten. Zu sehen gibt es auch einiges, etwa die Dünen von Corralejo und die Villa Winter. Dazu aber später mehr…

Die Anreise nach Jandía

Vielerorts fühlt man sich auf Fuerteventura an einer Marslandschaft erinnert.
Vielerorts fühlt man sich auf Fuerteventura an eine Marslandschaft erinnert.

Nach viereinhalb Stunden Flug von Düsseldorf und einer guten Stunde Transfer mit dem Bus kamen wir an unserer Unterkunft, dem Iberostar Playa Gaviotas in Jandía, an. Die Südseite der Insel, wo wir unser Quartier bezogen hatten, wartet mit endlos langen Sandstränden auf, während der Norden deutlich zerklüfteter ist. Auch im Januar regnet es hier praktisch nie und das Thermometer zeigt schon um die 20°C. Auch wenn der Atlantik zum Baden eigentlich noch deutlich zu kalt war, wagte ich einen kurzen Sprung ins kühle und heftig anbrandende Nass. Zu weit wollte ich mich nicht in die Fluten begeben, denn der Wellengang war heftig und der diensthabende Rettungsschwimmer beobachtete mich mit Argusaugen. Erinnerungen wurden Jahre später wach, als wir feststellten, dass auch der Pazifik in Kalifornien deutlich zu kalt zum Baden ist.

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Blick vom Iberostar Playa Gaviotas über den Strand von Jandía.
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Der Leuchtturm nördlich der Ortschaft Jandía.
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In zweiter Reihe hinter dem Strand und den Hotels wird es gebirgig.
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Palmen und Kakteen sind die am häufigsten vorkommenden Pflanzenarten Fuerteventuras.

Sehenswürdigkeiten auf Fuerteventura

Auf der Insel wird der vulkanische Ursprung sehr deutlich. Fuerteventura ist deutlich weniger grün als die Nachbareilande Teneriffa und Gran Canaria. Bei der Fahrt vom Flughafen nach Jandía fühlt man sich im ersten Moment an eine Marslandschaft erinnert. Aber auch das hat definitiv seinen Reiz! Man denke nur an das Death Valley in Kalifornien, das trotz oder gerade wegen seiner Karkheit alljährlich Millionen Touristen anzieht.

Was sind neben den traumhaften Stränden die besten Sehenswürdigkeiten von Fuerteventura?

  • Tierische Besonderheiten
  • Oasis Park
  • Fahrt an die schroffe Nordküste mit der sagenumwobenen Villa Winter
  • Die Wanderdünen von Corralejo

Tierische Besonderheiten

Eine tierische Besonderheit sind neben den bunten Kanarienvögeln die kleinen Atlashörnchen, die vor einigen Jahrzehnten aus Marokko eingeschleppt wurden und sich an manchen Orten so sehr an die Menschen gewöhnt haben, dass sie einem im wahrsten Sinn des Wortes aus der Hand fressen. Dies ist besonders in Jandía der Fall. Kaum waren wir aus dem Hotelkomplex hinausgestiefelt, kamen die possierlichen Nagetiere in Scharen angestürmt und bettelten um Brotkrumen. Eine Hochburg war auf der Promenade vom Iberostar Playa Gaviotas in Richtung Jandia Innenstadt.

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Die Atlashörnchen wurden aus Marokko eingeschleppt. Im Laufe der Jahre haben sich die possierlichen Nager vermehrt und sind recht zutraulich geworden.
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Die Kanarienvögel sind die Namensgeber der Kanarischen Inseln – oder war es andersherum?

Oasis Park

Von diesem Seelöwen bekam Boris einen feuchten Schmatzer. Unvergesslich...
Von diesem Seelöwen bekam Boris einen feuchten Schmatzer. Unvergesslich…

Empfehlenswert ist auch ein Abstecher in den Oasis Park, einem sehr schön angelegten Zoo mit einer großen Artenvielfalt. Hoch oben über dem Meer gelegen, bieten sich immer wieder Blicke über die Gehege auf den Atlantik. Der Eintrittspreis beträgt 20 € pro Person. Darüber hinaus könnt ihr euch auf eine Kamelsafari begeben (12 € pro Person). Auch Interaktionen mit Lemuren und Seelöwen sind gegen Aufpreis möglich. Boris hatte sogar das „Glück“, während einer kostenlosen Show einen feuchten Schmatzer von einem Seelöwen zu bekommen. Das vergisst man auch nicht so schnell… Der entsprechende Shuttle-Service wird von den meisten Hotels angeboten. Informiert euch einfach vor Ort über die Möglichkeiten!

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Immer in Habachtstellung: die Erdmännchen im Oasis Park auf Fuerteventura.
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„Komm mir nicht zu nah“, scheint dieses Krokodil sagen zu wollen. Im Oasis Park kommt man den Tieren recht nah.
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Ganz so fürchterlich, wie er aussieht, ist er dann doch nicht…

Fahrt zur Villa Winter

Der Südwesten ist sehr viel wilder als der Osten der Insel. Daher solltet ihr Fuerteventura unbedingt mit einem Mietwagen erkunden.
Der Südwesten ist sehr viel wilder als der Osten der Insel. Daher solltet ihr Fuerteventura unbedingt mit einem Mietwagen erkunden.

Spannend war die Tour mit einem Mietwagen über die gesamte Insel. In Richtung Norden und Westen ist die Küste sehr viel schroffer und zerklüfteter als im Südosten. Ihr genießt tolle Ausblicke – so viel ist sicher! Lasst euch auch den Leuchtturm von Morro Jable nicht entgehen. Uns hatte es vor allem die mysteriöse Villa Winter bei Cofete angetan. An diesem verlassenen Ort im Südwesten der Insel herrscht eine eigenartige Stimmung. Gerüchten zufolge wollten dort die Nazis im Zweiten Weltkrieg einen U-Boot-Stützpunkt aufbauen. Außerdem heißt es, dass in der Villa Nazigrößen auf ihrer Flucht nach Südamerika Station machten. Bis heute sind die Besitzverhältnisse ungeklärt. Wie gesagt: Ein Ort mit einem eigenen, düsteren Flair – und einem wunderschönen Sandstrand (Playa de Cofete), an dem aufgrund der heftigen Brandung allerdings nicht geschwommen werden kann.

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Der Playa de Cofete ist einer der schönsten Strände, die wir je zu Gesicht bekommen haben.
Ein weiteres Bild vom nahezu unberührten Playa de Cofete auf Fuerteventura.
Ein weiteres Bild vom nahezu unberührten Playa de Cofete auf Fuerteventura.
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Oberhalb der Playa de Cofete stoßt ihr auf die mysteriöse Villa Winter.
Villa Winter Fuerteventura
Die Stimmung an diesem sagenumwobenen Ort müsst ihr selbst spüren.

Die Wanderdünen von Corralejo

Was den Urlaub für uns noch besonders machte, war die Tatsache, dass er genau zwischen unserer Verlobung und Hochzeit lag. So machten wir vor Ort auch Bilder für die Hochzeitseinladungen – und genossen die Zweisamkeit in den Dünen von Corralejo. Dort waren wir bis auf eine handvoll Surfer ganz für uns. Die Wanderdünen El Jable, die an das angrenzende nordafrikanische Festland erinnern, liegen im Nordosten der Insel und sind ständig in Bewegung.

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Die Dünen von Corralejo sind ständig in Bewegung. Ursächlich ist der starke Wind, der vom offenen Meer ständig über den flachen Norden der Insel weht. Die Surfer freut’s, das Fotografen-Auge ebenfalls.
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Mit diesem traumhaften Sonnenuntergang verabschiedete uns die Insel Fuerteventura. Weil aus dem Auto fotografiert, ist das Bild leider nicht ganz scharf.

Die Kosten

In diesem Fall ist der Kostenfaktor schnell erklärt. Wir haben damals ganz regulär Flug und Hotel als Pauschalreise gebucht. Für das All-Inclusive-Arrangement zahlten wir 712€ pro Person. Hinzu kam ein Mietwagen für einen Tag (34€) sowie der Ausflug zum Oasis Park (64€). Macht insgesamt etwas über 1.500€ für eine Woche Urlaub. Das würden wir wohl heute anders lösen. Zum einen war All-In nicht so unser Ding, zum anderen würden wir diesmal individuell buchen. Aber gut; jeder muss Lehrgeld zahlen. Und schön war es ja trotzdem!

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