Rentiere, Whisky, Berge – Der Osten

Im letzten Teil des Schottland-Trips hatten wir oftmals das Gefühl, schon wieder zu Hause zu sein. Landschaftlich fühlten wir uns mehr als einmal an den Westerwald oder das Wittgensteiner Land erinnert. Mit einem Unterschied: Hier gibt’s keine Destillerien, sondern Brauereien. Und keine Rentiere, sondern Wisente. Und natürlich keine Nordsee. Aber sonst war alles gleich…

Hinter uns lagen zu diesem Zeitpunkt bereits der schottische SüdenWesten und Norden. Erneut markiert die rot-blaue Linie den zurückgelegten Weg:

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Nessie ließ sich nicht blicken

Nach reiflichem Überlegen beschlossen wir, die Stadt Inverness auszulassen. Wir hatten einfach während des Trips keine Lust auf Trubel und wollten lieber die Natur genießen und unsere Ruhe haben. Also umrundeten wir am 31. Mai das wohl bekannteste Loch. Ja, richtig: das mit Nessie drin. Oder auch nicht. Wer weiß das schon so genau?

Wir jedenfalls haben das Vieh nicht gesehen und sind auch keine Fans von Loch Ness geworden. Dafür ist die Gegend einfach zu sehr wie unsere Heimat. Für uns sah es aus wie im Sauerland am Biggesee.

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Der letzte Teil der Schottland-Rundreise führte vom Loch Ness nach Edinburgh.

Viel Bier und die Suche nach einem Stellplatz

Deshalb brausten wir gleich weiter in die Cairngorms, das britische Skigebiet. In Aviemore fanden wir einen Top-Pub, wo sich meine holde Gattin zu ihrem T-Bone-Steak das ein oder andere „Local Beer“ mehr gönnte, so dass ich bei der abendlichen – und nicht eben einfachen – Suche nach einem Stellplatz mehr oder weniger auf mich allein gestellt war. Aber das hatte sich meine tapfere Beifahrerin wohl auch verdient…

Ein Spaziergang mit Rentieren

Früh am Morgen des 1. Juni verließen wir unseren Platz in einem Waldstück bei Kincraig einige Meilen südlich von Aviemore. Das Ziel für diesen Tag war das „Cairngorm Reindeer Center“ in Rochiemurchus. Hier buchten wir eine geführte Wanderung in die Berge, wo eine Herde Rentiere in freier Wildbahn lebt. Die Tiere wurden in den 1960er Jahren von einem Schweden in der Region wieder angesiedelt, nachdem sie im 16./17. Jahrhundert durch intensive Bejagung ausgerottet worden waren. Für 14 Pfund pro Person durften wir uns jedenfalls ausgiebig im Rentier-Zentrum umsehen und an dem etwa zweistündigen Rentier-Erlebnis teilnehmen, das eine kurze Wanderung, eine Fütterung und engen Kontakt mit den Tieren beinhaltet. Ein schönes Erlebnis. Vor allem Sara war ganz aus dem Häuschen.

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Wir statteten den frei lebenden Rentieren in den Cairngorm Mountains einen Besuch ab.
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Den Besuch bei den Rentieren in Rochiemurchus können wir nur empfehlen.

Auf dem Whisky-Trail in der Speyside

Wir standen bei Glenmorangie auf dem Hof, entschieden uns letztlich aber gegen eine Führung.
Wir standen bei Glenmorangie auf dem Hof, entschieden uns letztlich aber gegen eine Führung.

Kurz nach Mittag beschlossen wir dann, den eher touristisch geprägten Cairngorms den Rücken zu kehren und noch am selben Tag über den Malt-Whisky-Trail in der Speyside zu fahren. Wahnsinn, wie viele edle Tropfen dort auf engstem Raum hergestellt werden! Ein echtes Paradies für Whisky-Liebhaber! Nach einigem Hin und Her – Boris konnte sich nicht für eine Destillerie entscheiden – fiel der Entschluss, bei Glenfiddich an einer Tour teilzunehmen. Das ist zwar nicht der leckerste Whisky des Landes, aber sicherlich der Bekannteste. Deshalb hofften wir, dass auf der Tour entsprechend mehr geboten wird. Und obwohl uns der Vergleich zu anderen Führungen fehlt, können wir nur sagen: Wir waren begeistert! Für 10 Pfund pro Person wurden wir eine gute Stunde über das ganze Gelände geführt, sahen zwei lehrreiche Filme und durften am Ende an einer Verköstigung teilnehmen. Es gab für jeden Gast 12-, 15- und 18-Jährigen sowie eine Spezial-Abfüllung mit den zusammen gemischten Lieblingsjahrgängen der Mitarbeiter. Prädikat: wertvoll und empfehlenswert!

Nachdem wir beide nun schon etwas getrunken hatten (aber wirklich nur ein kleines Schlückchen!), steuerten wir flugs den nur wenige Kilometer entfernten Campingplatz in Aberlour an, den wir ebenfalls bedenkenlos weiterempfehlen können.

Die Suche nach Steinkreisen im Osten Schottlands

Wir begaben uns auf die Suche nach Steinkreisen, was sich als gar nicht so einfach erweisen sollte.
Wir begaben uns auf die Suche nach Steinkreisen, was sich als gar nicht so einfach erweisen sollte. Kühe hingegen waren ganz leicht zu finden.

Tags darauf legten wir noch einen kurzen Stopp im bestens sortierten Whisky-Shop in Dufftown ein – nicht ohne dort etwas Geld zu lassen. Danach fuhren wir zur Tourist-Info in Huntly. Dies taten wir aus zwei Gründen: Erstens wollte Sara gerne noch Steinkreise sehen, weshalb wir genauere Informationen einholten. Und zweitens hatte das Kabel unseres Navis einen Wackelkontakt. Also fragten wir nach, wo wir Ersatz bekommen könnten. Die Dame war sehr nett und hilfreich. Sie verwies uns an einen großen Tesco in Inverurie. Und tatsächlich: Dieser Supermarkt hat so ziemlich alles, was man brauchen kann. Falls also unterwegs was fehlt, wisst ihr, wo ihr fündig werdet.

Mit diesen Infos im Gepäck steuerten wir jedoch noch vor dem Tesco mehrere Steinformationen an. Davon gibt es rund um Aberdeen einige. Wir folgten der Empfehlung aus der Touri-Info und besuchten den „Loanhead Stone Circle“ und den „Easter Aquhorties Stone Circle“ sowie den „Maiden Stone“, die alle beim Örtchen Inverurie zu finden sind.

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Letztlich fanden wir aber dennoch einige Steinkreise rund um Aberdeen.
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Auch wenn sie nicht mit Stonehenge mithalten können – sehenswert waren die Steinkreise im Osten Schottlands dennoch.

Spektakuläre Burgruine in Stonehaven

Anschließend zog es uns – nachdem wir die schrecklichen dreispurigen Kreisverkehre im überfüllten Aberdeen hinter uns gelassen hatten – nach Stonehaven zum „Dunnottar Castle“. Diese Burgruine steht spektakulär und sehenswert auf einem Fels und ist auf drei Seiten vom Meer umgeben. Hier investierten wir 7 Pfund pro Person, um uns die Ruine in aller Ruhe anzuschauen – was sich auch gelohnt hat.

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Die mächtige Burgruine von Dunnottar Castle bei Stonehaven an der schottischen Ostküste.

Danach ging es auf den nahe gelegenen Campingplatz von Inverbervie. Spätestens seit den Cairngorms war nämlich Schluss mit Wildcampen. Der Südosten ist deutlich dichter besiedelt als der Norden und Westen, was die Suche nach geeigneten Plätzen deutlich erschwert.

Loch Leven empfing uns mit Sonnenschein

Weil wir unbedingt noch ein Loch bei strahlend blauem Himmel sehen wollten, nahmen wir einen Mini-Umweg in Kauf und umkreisten den kleinen, zwischen Perth und Edinburgh gelegenen, Loch Leven. Anschließend näherten wir uns unaufhaltsam der letzten Etappe unserer Reise: Der schottischen Hauptstadt Edinburgh. Zuvor hatten wir lange hin und her überlegt, ob wir uns auch die sicherlich sehenswerte, ehemalige Hauptstadt Stirling mit dem Castle und dem Wallace Monument ansehen. Aber am Ende fiel die Entscheidung, das auszulassen. Wie schon einmal erwähnt, war uns in diesem Urlaub und nach den tollen Natur-Erlebnissen nicht so nach dem Trubel der Städte und Touri-Attraktionen.

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Am Loch Leven hatten wir endlich Glück mit dem Wetter. So konnten wir auch tolle Spiegelungen fotografieren.

Ankunft in Edinburgh

Auf dem ersten Campingplatz, den wir in Edinburgh ansteuerten, wurde uns fairerweise vorgerechnet, dass es für uns als Nicht-Mitglieder des „Camping & Caravaning Clubs“ extrem teuer würde, hier zu übernachten. Daher fuhren wir über die Ringe in den Süden der Stadt und buchten uns für zwei Tage im Mortonhall Campsite ein. Der große Campsite mit den sehr netten Mitarbeitern war sehr gut eingerichtet: Es gab mehrere Wasch- und Duschhäuser, einen Pub mit Biergarten, Billard, usw. Noch dazu war es mit 22 Pfund pro Tag einer der günstigeren Campingplätze während unserer Reise. Damit ließen wir es für diesen Tag gut sein, lasen viel und gönnten uns abends ein Bier in besagtem Pub.

Enttäuscht vom Edinburgh Castle

Das Edinburgh Castle liegt auf einem Felsen oberhalb der Stadt.
Das Edinburgh Castle liegt auf einem Felsen oberhalb der Stadt.

Zeitig standen wir am 4. Juni auf, um den Tag in Edinburgh zu verbringen. Wir kauften für 8 Pfund zwei Tages-Bustickets und nach einer Viertelstunde waren wir im historischen Stadtkern. Da uns vorher von allen Seiten das „Edinburgh Castle“ ans Herz gelegt wurde, stellten wir uns 30 Minuten an der Warteschlange an, investierten 35 Pfund Eintritt – und waren nach einer Stunde wieder draußen. Für uns war das nämlich nichts!

Im Grunde handelt es sich um ein sehr schönes, gut erhaltenes Schloss mit gefühlt 30 Kriegs- und Waffenmuseen im Innern. Wer’s mag wird wohl begeistert sein. Sehr schön war allerdings die Aussicht über die Stadt bis hin zum nahen Meer.

Tolle Aussicht vom Calton Hill

Nach einem leckeren Burger und einem Bier erklommen wir mit dem berühmten „Calton Hill“ einen weiteren Aussichtspunkt. Die Sicht war großartig. Zurück in der Stadt, schlenderten wir ein wenig durch die Gassen, hatten aber irgendwann das Gefühl, dass uns die Menschenmassen zu viel wurden. Also setzten wir uns am frühen Nachmittag in den Bus und fuhren zurück zum Campingplatz. Im dortigen Pub gönnten wir uns abends noch einmal ein leckeres Essen samt „Local Beer“ und beschlossen, am nächsten Tag in aller Frühe gen Heimat aufzubrechen. Zwar hätten wir noch einen weiteren Tag bleiben können, aber irgendwie fehlte uns – auch in Anbetracht der abermals düsteren Wetterprognose – die Lust. In Deutschland hatte es etwa 30 Grad, während wir bei 16 Grad und Regen im Camper saßen…

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Der Calton Hill ist ein toller Aussichtspunkt. Gleichzeitig verbringen viele junge Leute ihre Freizeit auf dem Hügel.

Grenzerfahrung: 19 Stunden Fahrt am Stück

Im strömenden Regen brachen wir am Morgen gegen 6 Uhr auf. Dieser begleitete uns auch über die Grenze und durch weite Teile Englands. Erst zwischen Birmingham und London ließ er nach und schließlich standen wir in der Nachmittagssonne am Hafen in Dover. Weil wir nicht vorgebucht hatten und gerade eine Fähre ausgelaufen war, mussten wir anderthalb Stunden warten, ehe wir übersetzen konnten. Das war aber nicht weiter schlimm. Nach exakt 19 Stunden Fahrt rollten wir schließlich gegen 1 Uhr in der Nacht hundemüde im wunderschönen Neunkirchen ein.

Unser Fazit

Schottland ist schön, Schottland ist abwechslungsreich und besonders im Westen und Norden landschaftlich sehr zu empfehlen. Der Osten hat uns nicht so umgehauen und die Lochs können wir kaum beurteilen, weil Starkregen doch vieles verzerren kann. Was toll war, ist die Gastfreundschaft der Schotten und die generelle Gelassenheit, die überall spürbar ist – sei es im Straßenverkehr oder auf den Campingplätzen, in Restaurants und Pubs. Alles in allem hat sich der Trip definitiv gelohnt – auch wenn es alles andere als ein billiges Vergnügen war.

Die Kosten

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Um Interessierten eine Orientierung zu geben: Die Miete für den Campingbus betrug 87 Euro/Tag, für eine Nacht mit zwei Erwachsenen auf dem Campingplatz (inkl. Stromladung) werden zwischen 20 und 26 Pfund fällig.

Ein Essen im Restaurant samt Getränk kostet ähnlich wie bei uns zwischen 30 und 40 Euro für zwei Personen. Auch die Preise im Supermarkt sind den unseren nicht unähnlich.

Für Eintritte in Schlösser oder andere Sehenswürdigkeiten muss man meist namhafte Beträge einplanen. Wer sich für Geschichte/Kultur interessiert, der sollte über die frühzeitige Anschaffung eines Passes von „Historic Scotland“ oder „National Trust of Scotland“ nachdenken. Damit kann man von vergünstigten Eintrittspreisen profitieren.

Was noch zu Buche schlägt ist die Fähre Calais-Dover (je nachdem ob man vorbucht oder nicht zwischen 80 und 130 Euro) und natürlich bei über 5000 km der Sprit. Insgesamt sollte man also – auch wenn man sparsam ist und viel selbst kocht – mit 3.500 bis 4.000 Euro rechnen, wenn man drei Wochen in Schottland umherreisen möchte. Das ist fast so teuer wie unsere dreiwöchige Rundreise durch den Südwesten der USA, wenn man die Flüge rausrechnet. Auch zwei Wochen Kenia inklusive Safari liegen etwa auf Augenhöhe.

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