Der wilde Norden

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Die Sandstrände von Durness würde man eher im Süden erwarten als im Norden Schottlands.

Der dritte Teil der Reise führte – nach den Löchern und der Westküste – von der Isle of Skye in Richtung Norden. Dort oben an der Atlantikküste finden sich traumhafte, weiße Sandstrände und schroffe Klippen. Mit etwas Glück kann man sogar vom Festland aus Delfine und Wale sehen.

Wie gewohnt markiert auch hier die rot-blaue Linie den Streckenverlauf:

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Plockton beeindruckte uns wenig

Nachdem wir sämtliche Wasser-, Strom-, Essens- und Spritvorräte aufgefüllt hatten, kehrten wir am 27. Mai der Isle of Skye den Rücken. Einen kurzen (aber reichlich sinnlosen) Halt legten wir in Plockton ein. In diesem Ort nur weniger Kilometer nördlich der Insel im Kyle of Lochalsh wachsen – vom Golfstrom begünstigt – tatsächlich einige Palmen. Aber so spektakulär, wie wir es uns vorgestellt hatten, war es dann doch nicht. Also fuhren wir gemächlich weiter die Küste hinauf.

Die neue Kamera beim Whale-Watching geschrottet

Unser erstes Ziel war an diesem Tag Gairloch. Hier wollten wir endlich eine Whale-Watching-Tour durchziehen. Notfalls würden wir auch in der Gegend übernachten, um am nächsten Tag in See zu stechen. Das war aber gar nicht nötig, denn wir hatten Glück. Bei Hebridean Whale Cruises konnten wir noch am gleichen Nachmittag auf eine Tour aufspringen. Mit uns an Bord war eine Gruppe amerikanischer Mittzwanziger.

Gespannt stachen wir mit einem Speedboat in See, nachdem wir die entsprechende Kleidung und eine Sicherheitseinweisung erhalten hatten. Leider zog es sich aber innerhalb der nächsten halben Stunde zu und es regnete unablässig.

Immerhin bekamen wir noch einen Delfin vor die Linse, ehe die Kamera streikte.
Immerhin bekamen wir noch einen Delfin vor die Linse, ehe die Kamera streikte.

Nach rund einer Stunde meinte unser Guide, so etwas hätte er auch noch nicht erlebt. Wir würden unter diesen Bedingungen sicher nichts mehr außer Möwen sehen. Er wäre dafür, abzubrechen und eine warme Dusche zu nehmen. Dann würden wir die Hälfte unseres Geldes zurückbekommen. Alle stimmten zu, also traten wir den Rückweg an. Kurz vor der Ankunft im Hafen erbarmte sich dann doch noch eine Gruppe Delfine und spielte mit und neben unserem Boot. Leider blieb just in diesem Moment meine fast neue Kamera schwarz (die auch während des restlichen Urlaubs nicht mehr anging und hernach eingeschickt sowie teuer repariert wurde). Deshalb gibt es auch nur ein Delfin-Foto. Schön war’s aber trotzdem. Und tatsächlich bekamen wir unser Geld zurück – was mehr als fair war. Deshalb alle Daumen hoch für den Anbieter!

Am Abend fuhren wir im wohl dichtesten Nebel, den wir je erlebt hatten, die Küste hinauf und suchten einen Platz für die Nacht. Das stellte sich in dieser Gegend als ganz schön schwierig heraus. Erst kurz vor Ullapool wurden wir auf einem Parkplatz in einem Waldstück fündig.

Kein Platz auf der Hebriden-Fähre

Am nächsten Morgen (28. Mai) kauften wir in Ullapool nochmals Getränke und Nahrungsmittel ein und füllten unseren Tank. Dies war uns von den Mitarbeitern der örtlichen Tourist-Info dringend empfohlen worden, da im Norden die Versorgung deutlich schlechter wird. Eigentlich wollten wir – wie schon auf der Isle of Skye – eine Überfahrt auf die äußeren Hebriden (Lewis & Harris) buchen. In beiden Fällen konnten wir allerdings – wohl aufgrund des britischen Feiertags-Wochenendes – keinen Platz ergattern. Schade, denn wir hatten uns sehr auf weiße Traumstrände und gewaltige Steinkreise gefreut. Aber da macht man nix!

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Nördlich von Ullapool verändert die Landschaft noch einmal ihr Gesicht. Hierfür wurde das Wort malerisch erfunden.

Reizvolle Landschaft auf dem Weg in den Norden

Also rollten wir weiter gen Nordküste. Auf diesem Abschnitt veränderte sich die Landschaft mehrmals recht schnell. Vielerorts fühlte ich mich an Fjord-Norwegen erinnert – allerdings war hier natürlich alles eine Nummer kleiner. Etwas bitter war, dass unser Camper ausgerechnet hier oben damit anfing, zu niedrigen Reifendruck anzuzeigen. Das machte uns schon etwas nervös und begleitete uns trotz mehrmaligen Auffüllens auch noch einige Tage. Aber irgendwann gegen Ende des Urlaubs war die Anzeige verschwunden. Warum auch immer…

Traumstrände in Durness

Die Lage des Campingplatzes von Durness ist schwer zu toppen!
Die Lage des Campingplatzes von Durness ist schwer zu toppen!

Oben in Durness erwarteten uns dann traumhafte, feinsandige Strände und türkisblaues Wasser, welches man wohl eher in der Karibik als in Nordschottland erwarten würde. Das war echt Wahnsinn! An dieser Stelle lassen wir einfach mal die Bilder sprechen…

Nur soviel sei noch gesagt: Der Campingplatz mitten in Durness ist direkt auf den Klippen über einem wunderschönen Strand gelegen und war mit 16 Pfund (ohne Strom) vergleichsweise günstig. Außerdem konnte man hier für einen geringen Obolus seine Wäsche waschen und maschinell trocknen, wovon wir auch Gebrauch machten.

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Die Strände in Durness sind wie gemalt. Mal wirken sie wie typisch irisch-schottische Küstenlinien.
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Schaut man sich an, wie strahlend weiß der Sand und wie türkis das Wasser ist, könnte man meinen, man sei nicht am Strand von Durness, sondern in der Karibik.

Besuch in der Schmuggler-Höhle

Wenn man in Durness ist, sollte man auch der „Smoo Cave“ einen Besuch abstatten – was wir am 29. Mai auch taten. Das kann man bis zu einem gewissen Punkt kostenlos tun. Will man mit einem Ruderboot weiter in die Höhle hinein, muss man bezahlen. Das machten wir allerdings nicht. Eine klare Empfehlung sprechen wir auch für den Pub in unmittelbarer Nähe zur „Smoo Cave“ aus. Das Lammsteak war überragend und auch das Bier von den Orkney-Inseln lecker! Und das zum Schnäppchenpreis von 25 Pfund – für zwei Personen.

Roadtrip-Feeling an der Nordküste

Den Rest des Tages fuhren wir an der Nordküste entlang und legten immer wieder Pausen an verschiedenen Stellen ein – beispielsweise am Dunnet Head, dem nördlichsten Punkt des britischen Festlands, und den Duncansby Stacks, einer interessanten Felsformation ganz im Nordosten mit Sichtkontakt zu den Orkney Inseln.

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Mehr Schottland geht nicht: Schafe weiden vor der schroffen Küste an den Duncansby Stacks.

Am Nachmittag tankten wir in Wick, füllten den Luftdruck (und senkten damit Boris‘ Blutdruck) und suchten uns ein ruhiges Plätzchen für die Nacht. Diesmal wollten wir wieder wild campen – was sich in der Gegend als nicht so einfach herausstellte. Alles war eingezäunt und die Küste dichter besiedelt als im Westen. Aber irgendwann wurden wir bei Lothmore fündig. Im ersten Moment freuten wir uns noch über das Bächlein, welches hier gemächlich vorüber floss. Doch als wir gegen Abend Bekanntschaft mit den Midges machten, die in Scharen über uns herfielen und auch unser Wohnmobil besiedelten, verflog die Begeisterung. Schön war hingegen, dass sich in der Dämmerung eine ganze Schar Rehe unserem Camper genähert hatte. Leider gingen sie stiften, als ich für ein paar Fotos näher ran wollte.

Zu Gast im Märchenschloss

Ein Märchenschloss wie aus dem Bilderbuch: Dunrobin Castle.
Ein Märchenschloss wie aus dem Bilderbuch: Dunrobin Castle.

Am nächsten Tag (30. Mai) ließen wir es ruhiger angehen. Wir kalkulierten die restliche Strecke und die zu erwartenden Sehenswürdigkeiten und beschlossen, dass wir mehr als gut in der Zeit liegen. Also besichtigten wir ausgiebig das nahe gelegene Dunrobin Castle, ein Märchenschloss wie aus dem Bilderbuch.

Das Schloss war jahrhundertelang im Besitz der Earls/Dukes of Sutherland. Doch der 5. Duke of Sutherland hinterließ – obwohl mehrfach verheiratet und als notorischer Schürzenjäger verschrien – keine Nachkommen und verstarb im Jahr 1963. Danach wurden seine Titel und Besitztümer unter entfernten Verwandten aufgeteilt.

Von vorne sieht das Dunrobin Castle noch nicht so spektakulär aus. Aber von der Gartenseite hat es uns umgehauen!
Von vorne sieht das Dunrobin Castle noch nicht so spektakulär aus. Aber von der Gartenseite hat es uns umgehauen!

Dem Duke ist es zu verdanken, dass in dem mehr als ansehnlichen Schlossgarten ein dreistöckiges Museum steht. Dort sind tausende ausgestopfter Tiere zu sehen, die seine Durchlaucht in den 1920er/30er Jahren weltweit erlegt hat. Aus heutiger Sicht mutet dies grausam und etwas unheimlich an. Im Kontext der damaligen Zeit allerdings wurde es als großartige Leistung bewertet, derart viele Tiere aus allen Kontinenten erlegt zu haben. Sehenswert war auch die Falknerei, wobei wir das Glück hatten, eine der beiden täglichen Flugshows mitzuerleben. Leider durften im Innern des Schlosses keine Fotos gemacht werden. Der Eintritt in Höhe von 11,50 Pfund lohnt sich aber auf alle Fälle. Es gibt wirklich viel zu sehen!

Delfine springen am Chanonry Point

Nach einem kleinen Einkauf bei Lidl (ja, den gibt’s in Schottland auch mehrfach!) fuhren wir nur noch bis zur „Black Isle“ unmittelbar nördlich von Inverness. Zwischen Fortrose und Rosemarkie liegt der „Chanonry Point“. Dies ist eine Meerenge in der Moray Firth, wo viele Delfine jagen und ihren Zuschauern eine Show bieten, die man auch gut von der Landzunge aus verfolgen kann. Hier blieben wir dann auch auf einem der beiden Campingplätze stehen. Wir nutzten den Platz in Fortrose und waren sehr zufrieden. Allein die nette Begrüßung durch die Vermieterin war top! Von dort ging es auf die letzte Etappe – an der Ostküste hinab in Richtung englische Grenze.

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Am Chanonry Point in der Moray Firth könnt ihr vom Strand beobachten, wie die Delfine springen. Das war etwas, das wir im Vorfeld nicht unbedingt mit Schottland in Verbindung gebracht haben.

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