Regenzeit im Löcher-Land

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Während unserer ersten Tage in Schottland regnete es fast unentwegt. Doch die damit einhergehende Stimmung macht sich auf Fotos (wie hier am Loch Lomond) nicht nur schlecht.

Auf den Spuren von Rob Roy und William Wallace tourten wir im Mai/Juni 2017 knapp drei Wochen mit dem Camper durch Schottland. Wir lernten ein faszinierendes Land voller Gegensätze kennen. Selten erlebten wir eine Landschaft, die derart schnell wechselt: dichte Wälder, karge Ebenen, verträumte Seen, wilde Küsten, sanfte Hügel, hohe Berge – all das und vieles mehr erwartet Reisende im äußersten Norden der britischen Insel.

Eine Fahrt entlang der schottischen Küste

Natürlich muss man auch mit den Schattenseiten leben können. So ist es mit dem Wetter nicht immer weit her. Aber keine Angst: Es gibt durchaus sonnige Abschnitte zwischen all dem Regen. Und natürlich guten WhiskyTierbegegnungen und einen Urlaub bei einem der (gast)freundlichsten Völker der Welt. Denn anders als zuvor vermutet waren sämtliche Schotten äußerst zuvorkommend, höflich und mit einem speziellen Humor gesegnet. Nun aber genug der Vorrede. Im Folgenden nehmen wir euch mit auf unsere 5.500 km lange, vierteilige Rundreise durch Schottland. Einige Informationen zu den Kosten und ein kleines Fazit findet ihr im letzten Reisebericht dieser kleinen Serie.

Start an den Lochs im Süden

Los geht es im Land der großen Seen im Süden, danach folgen die Highlands und Islands, der hohe Norden und der Osten mit seinen Schlössern und Destillerien. Die blau-roten Linien auf der folgenden Karte zeigen den Verlauf des ersten Teils der Reise:

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Lange Anfahrt durch Effzeh-Sieg versüßt

Los ging es am 19. Mai gegen 1 Uhr in der Nacht im Siegerland. Nach der Arbeit wurde flugs der gemietete Campingbus abgeholt, mit allem nötigen gepackt. Nach zwei, drei Stunden Schlaf machten wir uns auf den Weg. Selbstverständlich gingen wir nicht den bequemen Weg – es gibt eine Fähre von Amsterdam nach Newcastle -, sondern gönnten uns das volle Programm: Nach der Querung des Ärmelkanals von Calais nach Dover gurkten wir durch ganz England bis hinauf zur schottischen Grenze. Ganze 17 Stunden später kamen wir hundemüde und bei tristem Regenwetter am „Carter Bar“, dem Grenzstein, an. Da merkten wir so richtig, wie nötig wir diesen Urlaub (spätestens jetzt) hatten!

Die letzten zwei Stunden allerdings vergingen wie im Flug – und danach gab es Grund zum Feiern: Der 1. FC Köln hatte sich durch einen 2:0-Sieg gegen Mainz nach einem Vierteljahrhundert mal wieder für den internationalen Wettbewerb qualifiziert – und wir waren live am Radio dabei. So eine Radio-Reportage war nochmal richtig cool, aber auch nervenaufreibend ohne Ende! Immerhin durften wir so mit Effzeh-Trikots vor’m Grenzstein posieren. Und wer weiß? Vielleicht kommen wir ja schon bald im Gefolge der Geißböcke wieder?! (((Diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Nach Spielen gegen Roter-Stern Belgrad, Arsenal London und Bate Borissov war in der ersten Runde Schluss. – Anm. 2019))) Danach ging es ganz flott auf einen Campingplatz in Jedburgh, wo wir um 18 Uhr ankamen, eincheckten und gleich zu Bett gingen.

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Endlich überquerten wir nach langer Anreise die schottische Grenze. Am Carter Barr feierten wir zudem den Einzug des 1. FC Köln in die Europa League.

Scott’s View und Roslin Chapel

Eine wunderbare Aussicht bietet der Scott's View.
Eine wunderbare Aussicht bietet der Scott’s View. Hier holte sich der Legende nach der schottische Nationaldichter Sir Walter Scott seine Inspiration.

Am Morgen des 21. Mai wurden wir vom Regen geweckt, kamen aber trotzdem recht schnell aus den Federn. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei der Jedburgh Abbey, die wir uns aber aufgrund des Eintritts und des miesen Wetters nicht von innen anschauten, ging es weiter zum „Scott’s View“ bei Melrose. Bei wirklich schönen Fernsichten über die „Scottish Borders“ konnten wir verstehen, warum Sir Walter Scott hier oft gesessen und gedichtet hat. Hier trafen wir auch einen deutschen Rentner, der uns eine Straßenkarte vermacht hat, die uns noch gute Dienste leisten sollte. Weil es aber nach wenigen Minuten wieder anfing zu regnen, brachen wir – nach einem kurzen Stopp bei einer Esel-Auffangstation – auf zur Roslin Chapel, dem südlich von Edinburgh gelegenen Drehort von „Sakrileg – Da Vinci Code“. Die Kapelle war interessant zu sehen, aber nicht unbedingt die neun Euro Eintritt wert.

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Das zweite Ziel des Tages war Roslin Chapel. In der Kapelle südlich von Edinburgh wurde die Schlussszene der Dan-Brown-Verfilmung „Sakrileg“ gedreht.

Ankunft am Loch Lomond

Der Campingplatz am Loch Lomond war schön, das Wetter eher weniger.
Der Campingplatz am Loch Lomond war schön, das Wetter eher weniger.

Der Überlegung, ob wir einen Abstecher zu den „Clyde-Falls“ in Lanark machen, stand das Wetter entgegen. Somit fuhren wir direkt weiter zum Loch Lomond, dem Ausflugssee der Glasgower (und Namensgeber der Effzeh-Hymne im Original).

Hier steuerten wir einen Campingplatz an und unternahmen während einer kurzen Trockenphase noch einen kleinen Spaziergang am Loch entlang. Mehr war leider aufgrund der heftigen Regenfälle nicht drin, so dass wir uns in den Camper verzogen und den Abend bei einem guten Buch ausklingen ließen.

Malerische Falls of Falloch

Unsere Tags zuvor gehegte Hoffnung auf besseres Wetter erfüllte sich leider nicht. Daher änderten wir den Ursprungsplan, einen Tag zum Wandern zu verweilen und setzten am Morgen des 22. Mai unsere Fahrt in nördlicher Richtung fort. Einen ersten Zwischenstopp legten wir bei den „Falls of Falloch“ kurz vor Crianlarich ein.

Der schönste Ausblick des Königreichs?

Danach ging es weiter durch den Nationalpark „Loch Lomond and the Trossachs“ nach Pitlochry. Dort befindet sich der „Queens View“, ein Aussichtspunkt hoch über Loch Tummel. Angeblich soll Queen Victoria diesen Platz als den schönsten in ihrem Königreich bezeichnet haben. Ganz so doll war er dann doch nicht – vor allem bei wolkenverhangenem Himmel. Dazu kam, dass wir wenige Kilometer zuvor bei Killin unseren rechten Außenspiegel bei einer Begegnung mit einem flotten Kleinlaster geschrottet hatten. Die ungute Mischung aus enger Straße, Linksverkehr mit dem Steuer auf der falschen Seite und rasantem Lkw kostete uns letztlich 330 Euro, wie sich später herausstellen sollte. Deshalb ein kleiner Tipp am Rande: Wenn man denkt, man kann nicht weiter Richtung Straßengraben fahren – einfach noch 30 cm weiter rüber, dann passt’s!

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Das ist laut Queen Victoria die schönste Aussicht in ihrem Königreich. Uns hat der Queens View am Loch Tummel bei Pitlochry eher weniger überzeugt.

Wildcampen am Loch Rannoch

Nun überlegten wir, wohin es als nächstes gehen sollte. Schließlich setzte sich der Gedanke durch, dass stimmungstechnisch eigentlich die „Rannoch Station“ ganz gut passen müsste. Das ist der letzte Bahnhof im größten Moor von Großbritannien. Dort ist dann Endstation. Im Hintergrund erhascht man einen Blick auf die Highlands, davor zieht sich eine schier endlose Moorlandschaft. Kurz: eine wirklich einsame, verlassene Gegend. Leider kamen wir an diesem Tag nicht mehr ganz dorthin. Enge Straßen und heftiger Regen sorgten dafür, dass wir am Loch Rannoch Halt machten. Dort gab es viele tolle Stellplätze zum Wildcampen inmitten der Einsamkeit. Einen davon beanspruchten wir für uns. Außer einer Entenfamilie und ein paar Rotkehlchen lief uns dort nichts und niemand über den Weg.

Der einsamste Bahnhof Großbritanniens

An diesem Morgen wachte ich auf und sah durch die Ritzen der Rolläden tatsächlich die Sonne. Also fix notdürftig angezogen, rausgestürmt und ein paar wärmende Strahlen genossen. Aber nach fünf Minuten war es damit schon wieder vorbei! Scheinbar kann man auf Wettervorhersagen hier nichts geben, denn am Loch Lomond wurde uns noch Sonne versprochen. Naja, dann muss man halt das Beste daraus machen… An diesem Morgen fuhren wir am Nordufer des Lochs entlang das letzte Stück zur „Rannoch Station“ und hernach am Südufer zurück nach Killin – diesmal glücklicherweise ohne weitere Unfälle auf den engen Wegen.

Kurzer Stopp an den Falls of Dochart

Mitten im Ort hielten wir, um uns die „Falls of Dochart“ anzuschauern. Auf der Hinfahrt waren so viele Menschen an den Stromschnellen unterwegs, dass wir keinen Parkplatz finden konnten. Lange verweilten wir allerdings nicht, denn die Wasserfälle sind nicht wirklich spektakulär. Da haben wir im Yosemite Nationalpark und in Norwegen schon deutlich besseres gesehen.

Zum Grab des legendären Rob Roy

Von dort aus ging es weiter nach Balquhidder, wo Rob Roy beerdigt ist. Nachdem wir uns dessen Grab angeschaut hatten, unternahmen wir eine kurze Wanderung auf den Creac An Tuirc, von wo man einen schönen Blick über die umliegende Landschaft samt Loch Voil hatte. Übrigens lohnt es sich, ein oder zwei schottische Friedhöfe zu besuchen. Da die Schotten keine Gräber entfernen, gibt es sehenswerte Grabsteine aus dem 16./17. Jahrhundert zu bestaunen.

Ankunft an der Küste bei Oban

Dieser Campingplatz bei Oban war der am besten ausgestattete der gesamten Schottland-Reise.
Dieser Campingplatz bei Oban war der am besten ausgestattete der gesamten Schottland-Reise.

Gegen Nachmittag fuhren wir weiter Richtung Oban. Eigentlich wollten wir unterwegs noch dem malerisch am Loch Awe gelegenen „Kilchurn Castle“ einen Besuch abstatten, aber man sah es vor lauter Nebel kaum, so dass wir vorbeirollten und uns der Küste zuwendeten. Anscheinend sollte es mit uns und den Lochs nicht sein… Ein Stück nördlich von Oban, dem Tor zu den Inseln, steuerten wir einen Campingplatz in Connel an, um mal wieder zu duschen und die Strom- und Wasservorräte aufzufüllen. Der direkt am Atlantik gelegene Campsite war übrigens – vor allem was die Duschen anbelangt – das Beste, was wir auf unserer Reise erlebt haben. Also eine klare Empfehlung hierfür!

Weiter geht es hier mit dem zweiten Teil der Schottland-Rundreise: der Fahrt durch die Highlands auf die Isle of Skye.

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