Über den Highway 1 gen Süden

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Man kann ohne Übertreibung behaupten, dass die Fahrt über den Highway 1 entlang der kalifornischen Big Sur Region einer der spannendsten Roadtrips der Welt ist.

Am Morgen des 8. Mai brachen wir in San Francisco auf, um drei Tage lang eine der schönsten und abwechslungsreichsten Küstenstraßen der Welt zu befahren. Wenn wir auch im Vorfeld damit gerechnet hatten, dass auf dem Highway 1 die Hölle los sein würde, so sahen wir uns getäuscht. Der Verkehr war sehr erträglich – erst recht, nachdem wir die Bay Area verlassen hatten und uns dem gut zwei Stunden entfernten Monterey näherten.

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Hier geht’s zur gepflegten Promenade von Monterey.

Am Lovers Point in Monterey

Unterwegs verzichteten wir auf Zwischenstopps und legten die 180 km in einem Rutsch zurück. In Monterey angekommen, parkten wir nahe dem berühmten Aquarium an der Küstenstraße und schlenderten ein wenig an der Promenade entlang in Richtung „Lovers Point„. Der Spazierweg ist sehr hübsch angelegt und absolut sauber. Man sieht einfach, dass hier eher gut betuchte Menschen leben. Am Lovers Point selbst besteht die Möglichkeit, Otter zu sehen – und natürlich die allgegenwärtigen Squirrels. Die putzigen Fischotter haben wir übrigens leider nur aus der Ferne gesehen…

Die putzigen Nager trieben sich in Heerscharen rund um den Lovers Point in Monterey herum.
Die putzigen Nager trieben sich in Heerscharen rund um den Lovers Point in Monterey herum.

Fahrt über den 17-Mile-Drive

17mile-driveNun wurde es langsam Mittag, so dass wir im KFC einkehrten (13 $), um eine Kleinigkeit zu essen, ehe es auf den berühmten 17-Mile-Drive ging. Im Vorfeld hatten wir uns ein wenig Gedanken gemacht, ob wir den richtigen Einstieg finden würden, weil sich keine exakte Adresse fürs Navi ermitteln ließ. Aber da hatten wir uns eindeutig zuviel Sorgen gemacht, denn alles war super beschildert. Wenn man dem Highway 1 nach Süden folgt, kann man die kostenpflichtige Prachtstraße nicht verpassen.

Traumstrand in der Spanish Bay

Nachdem wir unsere 10 $ Maut am Kassenhäuschen gezahlt hatten, erhielten wir eine Übersichtskarte und fuhren los. Besonders toll fanden wir die Spanish Bay, einen wunderschönen, feinsandigen Strand.

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So wie die Spanish Bay stellt man sich kalifornische Strände vor. Allerdings war es selbst im ausgehenden Frühling noch deutlich zu kalt zum Schwimmen.

Die einsame Zypresse

Herauszuheben ist auch die Lone Cypress, das wohl berühmteste Fotomotiv des Parks. Und zwischendurch legten wir einige Stopps an weiteren bezaubernden Orten ein. Ich schätze, insgesamt benötigten wir zweieinhalb Stunden für die Rundtour, auf der uns aus dem Gebüsch auch ein neugieriges Reh skeptisch beäugte.

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Die Lone Cypress ist so etwas wie das Wahrzeichen des 17-Mile-Drive. Als wir dort waren, zog es sich leider etwas zu.

Tolle Küste im Point Lobos State Park

point_lobos_mapWeil es erst 15 Uhr war und wir noch nicht in unserem Motel in Carmel-by-the-Sea einchecken wollten, entschlossen wir uns dazu, den Besuch des Point Lobos State Park vorzuziehen, der eigentlich für den folgenden Tag geplant war. Nur eine Viertelstunde südlich von Carmel befindet sich dieser landschaftlich reizvolle State Park. Hier gibt es viele kurze Wanderwege durch kleine Waldstücke und  entlang wundervoller kleiner Buchten. Am Nachmittag war kaum was los. Das soll dem Vernehmen nach im Sommer (und dann vor allem morgens bis mittags) anders sein. Dann kann es wohl vorkommen, dass keine Autos mehr eingelassen werden. Davon waren wir weit entfernt. Fällig wurden bei der Einfahrt übrigens – wie in allen kalifornischen State Parks 10 $ Eintritt. Der Nationalpark-Pass ist in diesen staatlich geführten Parks nicht gültig.

Schroffe Klippen an der Pazifikküste gibt es am Point Lobos zu sehen.
Schroffe Klippen gibt es an der Pazifikküste am Point Lobos zu sehen.

Blumenpracht und steile Klippen

Die Whalers Cove zweigt gleich nach dem Passieren des Kassenhäuschens ab, war aber nicht so sehenswert. Zumindest, wenn man wie wir schon mehrfach Seehunde aus der Nähe gesehen hat. Also ging es gleich weiter zum Haupt-Parkplatz des Parks. Von dort zweigen kurze Wanderwege (wenn man es überhaupt so nennen will) ab. Zunächst entschieden wir uns für den Cypress Grove Trail und den Sea Lion Trail, die zum Pflichtprogramm gehören und nur jeweils 30 Minuten in Anspruch nehmen. Zu sehen gibt es knorrige Bäume, Blumenpracht (zumindest im Frühjahr) und Steilklippen sowie schöne Buchten. Dort haben wir sogar einen der seltenen kalifornischen Kondore im Flug beobachtet.

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Der 17-Mile-Drive und die Point Lobos Region vereinen wunderschöne Küstenabschnitte mit einer wilden Blumenpracht.

Idyllische Felshöhle

Was man nicht verpassen sollte, ist, den State-Park-Weg komplett bis zum Ende durchzufahren. Denn nach etwa vier Kilometern stößt man auf die „China Cove„. Dabei handelt es sich um eine geschützte Bucht, an der sich die Robben sonnen. Im Hintergrund fällt Licht durch eine Felsenhöhle. Ein wirklich idyllischer Ort! Lange verweilt haben wir hier dennoch nicht. Es wurde langsam Zeit für eine Dusche und vor allem etwas zu essen.

Der Point Lobos State Park bietet die Möglichkeit zu kurzen Spaziergängen, bei denen ihr traumhafte Buchten entdecken könnt.
Der Point Lobos State Park bietet die Möglichkeit zu kurzen Spaziergängen, bei denen ihr traumhafte Buchten wie die „China Cove“ entdecken könnt.

In Carmel wurden wir von Kolibris begrüßt

So steuerten wir das zauberhafte Fireplace Inn Motel in Carmel (125 €) an, wo wir prompt von einem Kolibri-Empfangskomitee begrüßt wurden. Der Garten ist wunderschön angelegt mit Wasserspielen und durftenden Blumen – ein Traum! Auch die Zimmer waren hübsch eingerichtet.

Dennoch rissen wir uns schnell los und suchten den Weg in ein nahe gelegenes Restaurant. Weil wir nun einmal an der Küste waren, wollten wir uns auch Fisch gönnen. So kehrten wir in den fünf Gehminuten entfernten „Flahertys Seafood Grill“ ein – mit dem Gedanken, dass wir Fish & Chips in einem irisch angehauchten Pub essen würden. Weit gefehlt: Der Laden war doch ein Stückchen gehobener. Und so rätselten wir Dorf-Idioten bei der Vorspeise, ob wir gerade Algen essen. Am Ende waren es wohl dekorierte Artischocken-Herzen. 😉 Geschmeckt hat es überragend und der Preis von 53 $ war für so ein Restaurant durchaus im Rahmen.

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In Carmel-by-the-Sea erlebten wir einen Sonnenuntergang, wie er perfekter kaum sein kann.

Perfekter Sonnenuntergang am Carmel Beach

So gestärkt genossen wir am idyllischen, ruhigen Carmel Beach den wunderschönen Sonnenuntergang, ehe es schließlich ins Bett ging. Überhaupt ist Carmel ein reizendes kleines Städtchen mit einem tollen (Künstler-)Flair. Unbedingte Empfehlung für eine Übernachtung während der Durchreise!!!

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Und weil’s so schön ist noch ein Bild…

Roadtrip-Paradies Big Sur

Am Morgen ging es zeitig aus den Federn, damit wir genügend Zeit hatten, zu frühstücken und anschließend die Big Sur Region zu erkunden. Wir wussten bereits im Vorfeld, dass die Straße nach einem Erdrutsch noch für einige Monate gesperrt sein würde und wir einen ordentlichen Umweg vor uns hatten. Bevor wir euch mitnehmen auf diese wunderschöne Küstenstraße, wollen wir allerdings noch eine Anmerkung loswerden: Servicekräfte sind in den USA von Tip (Trinkgeld) abhängig. Das gilt nicht nur für Kellner, sondern auch für Reinigungskräfte in den Hotels. Deshalb ließen wir meistens zwei Dollar pro Nacht auf dem Kopfkissen zurück.

Besonderheiten beim Tankvorgang

Ehe es losging, mussten wir erstmals tanken. Was sich als gar nicht so einfach herausstellte. Wir fuhrwerkten jedenfalls längere Zeit vergeblich mit der Kreditkarte an der Zapfsäule herum, bis uns der Tankwart aufklärte, dass man nur als „Citizen“ draußen als Selbstzahler mit Karte zahlen kann. Ausländer müssen grundsätzlich erst an die Kasse, den zu tankenden Betrag nennen, bezahlen und freischalten lassen. Dann kann draußen getankt werden. Gut, sooo kompliziert ist das jetzt nicht. Man muss es halt wissen…

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Am frühen Morgen und in Nebel getaucht erinnerte der Big Sur an Irland oder Schottland.

Aussichtspunkte ohne Ende

Danach verließen wir Carmel über den Highway 1 in Richtung Süden. Nun kam der sehenswerteste, dramatischste Teil der kalifornischen Küste: Big Sur. Hinter jeder Kurve wartet hier ein neuer Aussichtspunkt und die Landschaft verändert sich immer wieder. Waren wir im Nebel gestartet und durch eine schottisch/irisch anmutende Gegend gekommen, lichtete sich die „Suppe“ recht bald und wir erblickten türkisblaues Wasser weit unter uns.

Theoretisch könnte man hier tagelang auf Entdeckungsreise gehen. Uns saß allerdings ein wenig die Zeit im Nacken, denn bis nach Gorda (wo die oben angesprochene Sperrung war), betrug die reine Fahrzeit knapp zwei Stunden. Dieselbe Strecke mussten wir auch wieder zurückfahren, um dann von Monterey aus durchs Landesinnere zur nächsten Unterkunft in San Simeon zu gelangen. Klingt nach viel Fahrerei – war es auch! Aber extrem entspannt und kurzweilig!

Malerischer Pfeiffer Beach

Und schlimmer geht immer. Das erfuhren wir, als wir an unserem Lieblings-Big-Sur-Platz, dem Pfeiffer Beach, zwei Landsleute aus Berlin trafen. Die beiden Kumpels waren ebenfalls auf Rundreise, hatten aber für die Strecke San Francisco – Los Angeles keine Zwischenübernachtung eingeplant. Das war vielleicht etwas zu sportlich…

Durch dieses Felsloch am Pfeiffer Beach strahlt zu bestimmten Tageszeiten die Sonne.
Durch dieses Felsloch strahlt zu bestimmten Tageszeiten die Sonne.

Aber zurück zum Strand: Dieser wundervolle, keinesfalls überlaufene Flecken Sand befindet sich etwa in der Mitte zwischen Carmel und Gorda. Etwa auf Höhe des Pfeiffer Big Sur Campgrounds zweigt in einer Rechtskurve eine einspurige, nicht beschilderte Straße zum Strand ab, die man leicht übersehen kann. Der etwa 20-minütige Umweg und die Parkgebühren von 10 $ lohnen sich aber definitiv. Fotografen sollten zudem versuchen, am Abend herzukommen, um den Sonnenuntergang einzufangen. Dann fallen die Strahlen von der Meerseite durch das natürliche Loch in den Felsen. Einfach mal googeln, es sieht magisch aus. In unserem Fall ließ es der Zeitplan nicht zu. Aber auch so war der Strand – wie gesagt – top! Wir erforschten Krebse, genossen die Ruhe und platschten barfuß durch das 16 Grad warme, äähh kalte Wasser.

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Nur schauen, nicht anfassen: Die McWay Falls sind ein absolutes Postkartenmotiv. Aber näher kommt man nicht heran. Ob euch dieser Ausblick 10$ wert ist, müsst ihr selbst entscheiden.

Die McWay Falls – teuer aber paradiesisch

Weiter ging es zu den aus Film, Werbung und Musikvideos bekannten McWay Falls. Hier muss jeder für sich entscheiden, ob ihm eine fünfminütige „Wanderung“ zu einem Aussichtspunkt 10 $ wert sind. Wir wussten es nicht besser und dachten, man könne hier mehr erkunden. Tatsächlich war das aber nicht so. Deshalb hat uns das nachfolgende Bild nen Zehner gekostet. Fraglich, ob es das wert ist…

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Und gleich das nächste Motiv für eine Fotoleinwand: Die Bixby Creek Bridge.

Die traumhaft gelegene Bixby Bridge

Danach ging es für uns auf den Rückweg. Dort schossen wir noch ein paar Fotos von der sehenswerten Bixby Bridge und Boris machte ein italienisches Paar glücklich, indem er ein Fotoshooting mit ihnen (samt Ferrari) vor der Brücke durchführte.

Spaziergang am Strand von San Simeon

Mit einem kurzen Strandspaziergang in San Simeon, bei dem wir sogar in der Ferne einen Wal vorbeischwimmen sahen, endete der abwechslungsreiche Tag. Den gigantischen Meeressäugern sollten wir am Ende der Reise nochmals wesentlich näher kommen. Ein paar Worte noch zu San Simeon: Der Ort besteht im Grunde ausschließlich aus Motels, die direkt an der Straße liegen, ist aber eine sinnvolle und preisgünstige Zwischenstation auf dem Weg die Küste hinunter. Wir waren im Courtesy Inn untergekommen, was uns (ohne Frühstück) gerade mal 48 € kostete.

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Ein klassisches Motel am Straßenrand, wie es sie in den USA millionenfach gibt: das Courtesy Inn in San Simeon.

Vorbei an Santa Barbara in Richtung Malibu

Der Rest des Highway 1 war aus unserer Sicht nicht mehr ganz so spektakulär. Santa Barbara ließen wir aus, weil wir nicht sooo die Städte-Fans sind und ohnehin LA vor der Brust hatten. Schön war allerdings die Fahrt durch die Sierra Madre Mountains und wieder hinunter an den Pazifik. Weiter geht’s im nächsten Blog-Eintrag mit Malibu, Santa Monica und Los Angeles. Mehr Infos zu unserem USA-Roadtrip gibt es hier.

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