Im Land der Massai

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Spektakulär erhebt sich das Kilimandjaro-Massiv hinter den Savannen des Amboseli-Nationalparks. Hier leben viele Herdentiere wie Zebras und Gnus.

Das letzte Stück der Fahrt vom Tsavo Ost Nationalpark nach Amboseli führte durch Massai-Land. Unser Fahrer Shabani meinte dazu augenzwinkernd: „Ihr werdet kaum einen Massai zu sehen bekommen – außer ihr tötet eines ihrer Tiere oder sie selber. Dann seht ihr ganz viele von ihnen. Und glaubt mir: Das wollt ihr nicht!“

Karges Weideland im Rift Valley

Man sah, dass dieses Volk noch heute von der Viehzucht und Landwirtschaft lebt. Man sah auch, dass dieses Leben nicht leicht ist. Denn nach mehreren Umsiedlungen steht ihnen im Rift Valley nur karges, trockenes Land zur Verfügung. Wir hätten auch die Möglichkeit gehabt, ein Massai-Dorf zu besuchen und ein wenig über ihre Traditionen zu erfahren (und wohl wieder Nippes zu kaufen), entschieden uns jedoch dagegen. Ich für meinen Teil wollte nicht voyeuristisch sein und als reicher Weißer in ein kleines Dorf kommen und die dort lebenden Menschen wie bei einem „Zoobesuch“ unter die Lupe nehmen. Auch das Nein-Sagen zu Verkaufsangeboten wäre mir schwer gefallen nach all den Dingen, die ich am Straßenrand gesehen hatte. Außerdem waren wir alle der Meinung, dass wir stattdessen am Nachmittag lieber eine ausgedehnte Pirschfahrt machen würden. Diese Entscheidung tat uns schon wieder leid, als ein Massai persönlich in die Lodge kam, um uns einzuladen. Sein Blick war unendlich traurig, als wir die Einladung ausschlugen. Den werden wir so schnell nicht vergessen.

Herzlicher Empfang in der Sentrim Amboseli Lodge

In der Sentrim Amboseli Lodge wurden wir jedenfalls sehr herzlich empfangen. Es gab kalte, feuchte, parfümierte Handtücher, mit denen wir uns den Staub der Reise abwaschen konnten. Eine echte Wohltat! So war auch schnell die Schafs-Affäre vergessen. Denn auf dem Weg zur Unterkunft hatte Shabani ein Schaf erwischt, weil er nicht bremste, als die Herde über die Straße lief. Das machte vor allem der lieben Sara doch sehr zu schaffen.

Der freundliche Kellner Emmanuel

Nachdem wir das Gepäck in unser Zelt gebracht hatten, gab es gleich ein leckeres Mittagessen, bei dem wir einen Freund kennenlernten. Emmanuel fiel uns sofort durch seine Freundlichkeit und sein Dauer-Lächeln auf. Er war sehr aufmerksam und so gab ich ihm statt der fälligen 600 KSH 1.000 KSH und sagte, der Rest sei für ihn. Er brachte mir jedoch das Wechselgeld wieder. Als ich ihm sagte, das sei schon richtig und ich wolle ihm das Wechselgeld schenken, weil er so nett sei, konnte er es noch immer nicht glauben und wies mich darauf hin, wie viel das sei. Schließlich nahm er es doch – und wir hatten einen neuen Kumpel. Er wich uns auch bei den nächsten Mahlzeiten nicht mehr von der Seite und versprach uns beim Abschied, er werde für uns beten. Wir gaben dies zurück!

Zwischendurch unterhielten wir uns immer wieder mit ihm. Er berichtete uns, dass sein Arbeitstag morgens um 5.30 Uhr beginnt und abends um 22.30 Uhr endet. Ohne großartige Pausen! Sein Traum ist es, genug Geld zu sparen, um sich eine medizinische Ausbildung leisten zu können – wenn möglich mit einem Praktikum in Europa. Das zeigte uns, dass das bisschen Trinkgeld bei ihm absolut richtig war. Unsere Schweizer Freunde stockten es am Abend nochmal auf. Auch erzählte uns Emmanuel nicht ohne Stolz, dass er Massai ist und immer, wenn er nicht auf der Arbeit ist, die Traditionen seines Volkes lebt. „Wenn ihr mich außerhalb des Hotels sehen würdet, hätte ich die traditionellen Gewänder meines Volkes an“, sagte er.

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Vom Sentrim Amboseli Camp hat man einen überragenden Blick auf den Kilimandjaro. Wir hatten das große Glück, den Gipfel beinahe wolkenfrei zu erleben.

Kurzer Abstecher zum Kilimandjaro Viewpoint

Nach dem Essen hatten wir noch kurz Zeit, zum Kilimandscharo-Viewpoint zu laufen und die malerische Kulisse des nun wolkenfreien Bergmassivs auf uns wirken zu lassen. Den Pool konnten wir leider nicht mehr nutzen, weil es um 15 Uhr bereits mit einer Pirschfahrt im Amboseli Nationalpark weiterging. Der war nur eine fünfminütige Fahrt entfernt. Shabani der Fuchs hatte uns bereits im Vorfeld die Tickets bei einer Freundin am Gate besorgt, und so konnten wir an den Wartenden vorbeifahren.

Viele Herdentiere vor der Kulisse des markanten Bergmassivs

Im Amboseli-Nationalpark sahen wir leider keine Raubtiere. Dafür ließen sich aber Herdentiere wie Antilopen in großer Zahl blicken.
Im Amboseli-Nationalpark sahen wir leider keine Raubtiere. Dafür ließen sich aber Herdentiere wie Antilopen in großer Zahl blicken.

Das herausragende Merkmal der dortigen Landschaft war ganz klar der Kilimandscharo, der sich majestätisch hinter der flachen, weiten Steppenlandschaft erhob. Was gleich auffiel: Hier waren die Tiere deutlich einfacher zu entdecken als in Tsavo. Zum einen, weil es einfach mehr auf einer kleineren Fläche waren, zum anderen, weil sie im niedrigen Gras bei weitem nicht so viele Versteckmöglichkeiten hatten wie im dichten Busch des Tsavo-Parks. So sahen wir in erster Linie viele Herdentiere wie Zebras, Gnus, diverse Antilopen- und Gazellenarten und Giraffen. Und natürlich Pumbas – zur großen Begeisterung von Sara und Jelena. Oftmals liefen diese Tiere vor der fantastischen Kulisse des Kilimandscharo herum, so dass sich glänzende Fotomotive en masse ergaben.

Keine Raubtiere – dafür viele Vögel

Außerdem bekamen wir Adler, Geier, Strauß und weitere Vögel wie Kraniche, Gabelracke und Sekretäre zu sehen. Verwehrt blieben uns leider Raubtiere wie Geparden und Löwen – mit Ausnahme einer Hyäne und ihrer Babys. Eines der Highlights war der See mit den Flamingos. Abertausende der rosa Vögel färbten das Gewässer ein – welch ein unvergesslicher Anblick. Darauf waren wir auch nicht vorbereitet, weil wir nichts dergleichen im Internet gelesen hatten. Vielmehr stand dort stets, dieses Phänomen gebe es nur im Nakuru-See.

Eine Elefantenherde im Sonnenuntergang

Ein weiterer Höhepunkt war die Begegnung mit Flusspferden und vor allem einer ganzen Elefantenherde, die direkt hinter uns im beginnenden Sonnenuntergang die Straße überquerte. Von diesem magischen Moment gibt es auch ein Video, das wir beizeiten hochladen werden.

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Und wieder Elefanten… Irgendwann wurde dieser Anblick in Kenia zur Gewohnheit.

Amboseli: tierreich aber nicht sonderlich groß

Insgesamt kam uns der tierreiche und landschaftlich schöne Amboseli-Nationalpark ein wenig wie ein Safari-Park vor. Das lag daran, dass er nicht sonderlich groß war und im Grunde ein Rundweg durch die Gegend führte, auf dem einige Jeeps unterwegs waren. Es war nicht ganz so einsam und individuell wie im riesigen Tsavo Ost Nationalpark. Missen wollte ich dieses Erlebnis aber keinesfalls! Allein schon, weil man hier eine Art Serengeti-Gefühl hatte. Die Tiere waren eher in großen Verbänden unterwegs als in Kleingruppen oder alleine (wie im Tsavo).

Nach dieser Pirschfahrt, die gegen 17 Uhr endete, gab es ein fantastisches Abendessen, ehe es zeitig ins Bett ging. Denn am nächsten Morgen stand von 6 bis 7 Uhr eine weitere, kurze Pirschfahrt auf dem Programm. Zuvor gab es noch Frühstück und gegen 5.40 Uhr machten wir einige Kili-Fotos im Sonnenaufgang. Es ging also zeitig raus aus den Federn – auch, weil uns am nächsten Tag ein wunderschönes Camp im privaten Ziwani-Reservat erwartete.

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2 Kommentare zu „Im Land der Massai

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