Auf Tuchfühlung mit Manatees

Heute ging es ganz früh aus den Federn: Um 5 Uhr klingelte der Wecker, denn schon eine Stunde später hatten wir ein Date mit Manatees. So nennen die Amerikaner Seekühe. Diese wandern in den Wintermonaten vom Golf durch die Flüsse in Richtung der warmen Quellen, da sie Temperaturen von mindestens 20 Grad zum Überleben brauchen. Besonders viele Tiere finden sich dann in den Three Sisters Springs in Crystal River ein. Hier besteht die Möglichkeit, mit einem der konzessionierten Unternehmen per Boot hinauszufahren und mit den gemütlichen Giganten auf Tuchfühlung zu gehen.

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Schnorcheln mit Manatees in Crystal River. Wir können die Tour mit River Ventures hundertprozentig weiterempfehlen.

Wir waren mit Captain Wade und seiner Frau Trish von River Ventures unterwegs. Die knapp vierstündige Tour kostet 120 €. Im Preis inbegriffen sind eine Einweisung, Neoprenanzüge, Taucherbrillen, die Transfers zum Boot und zurück sowie warme Getränke an Bord. Denn so früh morgens wurde es im November durchaus kalt – sogar bitterkalt! Das Thermometer zeigte bei unserem Aufbruch nur 11 Grad Celsius an. Dick eingepackt trafen wir uns mit der kleinen Gruppe Frühaufsteher, die die erste Tour gebucht hatte. Das lohnt sich aus zweierlei Gründen: Erstens war unsere Gruppe kleiner als die folgenden, zweitens waren wir das erste Boot rund um die Quelle und drittens sind die Manatees morgens deutlich aktiver als im restlichen Tagesverlauf.

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Wirklich schön sind Manatees nicht, aber durchaus faszinierend.

Während die anderen – drei Holländer, ein junges Pärchen aus Florida und ein Paar um die 50 aus Utah – allesamt über Taucherfahrung verfügten, waren wir die Noobs der Truppe. Dennoch hatten wir keinerlei Probleme im Umgang mit Taucherbrille, Schwimmanzug und -nudel. Ja richtig – man nutzt Schwimmnudeln, um so wenig Unruhe wie möglich zu verursachen: Je stiller man sich im Wasser verhält, desto näher kommt man den Tieren. Sie von sich aus zu berühren oder anderweitig zu bedrängen steht unter harten Strafen, was im Sinne des Tierschutzes auch gut so ist. Doch die Manatees sind nicht sonderlich scheu und näherten sich uns auch ohne aufdringliches Gehabe unsererseits.

Schon nach wenigen Minuten trafen wir übrigens auf die erste Seekühe, gingen ins Wasser und schnorchelten mit den Giganten. Wade hatte uns zuvor darauf aufmerksam gemacht, dass die Tiere mindestens 90 % größer wirken als man im Vorhinein denkt. Und genauso war es! Sie sind echt riesig. Nachdem wir eine knappe Stunde vor Ort waren, ging es weiter zur Quelle selbst. Hier war das Wasser nochmals deutlich klarer als am ersten Spot, sodass wir viele Fische, eine Schildkröte und zahlreiche Manatees – darunter eine Mutter mit Kind – betrachten konnten. Leider wurde es zunehmend voller (und kälter). Also verließen wir alle nach rund einer Stunde das Wasser und standen schlotternd und bibbernd an Bord, um auf den Nachzügler und Tauchguide Trish zu warten. Die konnten offenbar nicht genug bekommen, was mich auf eine harte Probe stellte: Ich musste pinkeln wie noch nie zuvor im Leben und war wirklich kurz davor, einfach über Bord laufen zu lassen oder an Land zu schwimmen, um mich zu erleichtern. Hinzu kam die Kälte, die sich nun – nass wie wir waren – doppelt so schlimm anfühlte.

Aber ich möchte hier keineswegs irgendwas schlecht reden! Die Tour war gigantisch, unsere Guides extrem nett und informativ. Denn Wade fütterte uns mit unzähligen Informationen über den Tierschutz im Allgemeinen und über Manatees im Speziellen, über die Jagd, über sein Leben – und darüber, dass sich nur etwa einmal im Jahr ein Alligator unter die Taucher mischt. Ein Bullenhai habe sich soweit flussaufwärts seines Wissens nach noch nicht blicken lassen, möglich sei dies aber theoretisch auch. Na, dann sind wir mal froh, dass wir es heil überstanden haben…

Zurück in der Basis von River Ventures gaben wir noch ein Trinkgeld, um uns für die tolle Tour zu bedanken und erwarben die von Trish gemachten Fotos (33$). Zwar hatten wir unsere Unterwasserkamera dabei gehabt, aber wir wollten einfach auf Nummer sicher gehen und uns alle Fotos sichern, die wir bekommen konnten. Dazu gehörte auch ein extrem gutes Video von unserem Gruppenmitglied aus Utah. Netterweise stellte er es uns per Airdrop zur Verfügung.

Danach ging es zum Duschen ins Hotel. Außerdem gönnten wir uns noch ein schnelles Frühstück, ehe wir tankten (23 $) und uns wieder auf den Weg machten. Ziel war Clearwater Beach, der mehrfach preisgekrönte „Schönste Strand der USA“. Hier ging es – wie nicht anders zu erwarten war – sehr touristisch zu. Wir mögen diese vollkommen überfüllten Strände nicht sonderlich. Dennoch zahlten wir 14 $, um unser Auto zwei Stunden auf dem Parkplatz des Hilton Hotels abstellen zu dürfen. Dann legten wir uns ein wenig an den Strand und genossen die Sonne. Eines muss man dem Clearwater Beach lassen: Er hatte den wohl feinsten, weichsten Sand, den wir bisher unter den Füßen hatten. Wir beobachteten noch, wie ein paar freche Möwen die Abwesenheit unserer Platznachbarn nutzten, um sie komplette auszuplündern. Dann liefen wir zum Pier und schauten uns Clearwater Beach aus einer anderen Perspektive an. Schließlich beschlossen wir, schnell einen Hotdog zu essen (11 $) und zu unserem Hotel, dem Belleair Beach Resort Motel (97 €) weiterzufahren.

Dieses war nur wenige Kilometer südlich gelegen. Aber an diesem Strandabschnitt ging es sehr viel ruhiger zu. Es war sogar so ruhig, dass wir am Abend kein Restaurant fanden, das fußläufig zu erreichen gewesen wäre. Also fuhren wir ins benachbarte Largo. Dort steuerten wir Cody’s Roadhouse an, wo wir vom beinahe übernatürlich freundlichen John bedient wurden. Das Essen (50 $) schmeckte, nur unsere Getränkebestellung stürzte uns in ein Dilemma: Wir waren uns einfach nicht sicher, ob in Florida die 0,0-Promille-Regelung gilt oder die 0,8er-Regelung. Die Quellen im Internet liefern unterschiedliche Ergebnisse. Dennoch bestellte Sara ein Corona, ich ein gezapftes Budweiser. Der Gedanke: Eins geht immer, dann fettiges Essen und etwas sitzen bleiben, dann wird das schon. Das Problem: Es war gerade Happy Hour und ich erhielt zwei 0,4-Liter-Krüge zum Preis von einem! Wegschütten ist ja nicht, also musste doch Sara fahren – obwohl der Mietwagen nur auf mich angemietet war. Aber es ging alles gut und wir kamen heil in unserem Beach Resort an.

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