Berge, Wälder, blaue Seen

Corona sei Dank fiel das Urlaubsjahr 2020 fast komplett ins Wasser. Zum Glück waren wir im März noch in Südafrika gewesen. Die zweite Reise auf diesen Kontinent war für Ende Oktober/Anfang November geplant, fiel aber der Pandemie zum Opfer. Auch das bereits gebuchte lange Wochenende in Sardinien anlässlich Saras 30. Geburtstag konnten wir nicht erleben. Immerhin gelang es, im Sommer einige Tage auf „unsere“ Nordseeinsel Helgoland zu fahren. Da Boris nur eine der beiden Herbst-Urlaubswochen storniert hatte, blieben einige Tage, um etwas zu unternehmen. Die Wahl fiel auf die Deutsche Alpenstraße.

Es war das erste Mal, dass ich allein verreiste – und ich muss sagen, dass es sich immer wieder komisch anfühlte. Bei den Wanderungen inmitten fantastischer Natur war es okay, allein im Restaurant oder abends im Hotelzimmer eher komisch. Unter dem Strich lohnte es sich aber definitiv, nochmal rauszukommen – vor allem, weil nur vier Tage nach der Rückkehr der nächste Lockdown verordnet wurde. Wie schon im März kam die Reise also genau zum richtigen Zeitpunkt.

Eigentlich war geplant, zunächst einen Kumpel in Kreuzlingen am Bodensee zu besuchen, allerdings wurde es mit dem Grenzübergang in die Schweiz angesichts steigender Infektionszahlen immer schwieriger. Daher sah ich davon ab. Auch die komplette Befahrung der Deutschen Alpenstraße fiel ins Wasser, weil in Berchtesgaden die 7-Tages-Inzidenz bei fast 300 lag. Zu Erinnerung: Ab einem Wert von 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner galten besonders strenge Regeln. Ähnlich entwickelte sich die Lage in den benachbarten Landkreisen, sodass letztlich am Tag vor der Abfahrt nur noch Garmisch-Partenkirchen und Teile des Allgäus Inzidenzwerte von Mitte 30 aufwiesen und damit guten Gewissens zu bereisen waren. Ich buchte am Sonntagmittag zwei Hotels vor und machte mich am Montag in aller Frühe auf den Weg gen Süden. Dabei wollte ich mir eine größtmögliche Spontaneität bewahren und nach Lust und Laune Zwischenstopps einlegen. Allerdings machte mir das Wetter weitgehend einen Strich durch die Rechnung. Bei 8 °C und Dauerregen machten ausgedehnte Spaziergänge – geschweige denn Wanderungen – keinen Sinn.

Zwischenstopp beim Blautopf

Lohnenswerter Zwischenstopp trotz Dauerregen: Der Blautopf in Blaubeuren auf der Schwäbischen Alb.

Einen ersten Halt legte ich daher erst in Blaubeuren ein. Die Baden-Württembergische Kleinstadt hat ein großes Highlight für Fotografiebegeisterte zu bieten: den Blautopf. Obendrein ist der Besuch auch noch kostenfrei möglich. Dank eines unterirdischen Höhlensystems schimmert das Wasser in einem unglaublich intensiven Türkis. Wenngleich ich dachte, dies komme bei Dauerregen nicht zum Tragen, täuschte ich mich gewaltig. Zwar dürfte es bei Sonneneinstrahlung sicher nochmals deutlich besser wirken, aber auch so war der kleine See die Stippvisite wert. Des ungemütlichen Wetters wegen blieb ich aber nur 20 Minuten, umrundete den Blautopf, schoss ein paar Fotos, spazierte kurz durch den Ortskern und sah danach zu, dass ich – leicht durchnässt – wieder ins Auto kam.

Wintereinbruch im Allgäu

Von Blaubeuren aus ging es rund zwei Stunden über Land an den Bodensee. In Lindau regnete es sogar noch einmal heftiger, sodass es absolut unmöglich war, auch nur ein ansatzweise brauchbares Foto zu schießen. Nach einem kurzen Rundgang in einem Park am See beschloss ich also, etwas zu essen und danach schnell in Richtung meines eigentlichen Ziels, der Deutschen Alpenstraße, weiterzufahren. Diese beginnt in Lindau und führt entlang der deutsch-österreichischen Grenze bis ins Berchtesgadener Land. Gleich zu Beginn windet sich die Panoramaroute wie ein Lindwurm und führt in zahlreichen steilen Haarnadelkurven hinauf nach Scheidegg in die Bayrischen Alpen. Kaum im Allgäu angekommen, begann es rund um Oberreute und Oberstaufen zu schneien. Zur Erinnerung: Es war erst Ende Oktober. Mir sollte es aber recht sein, denn Schnee sieht immerhin besser aus als Regen, wie diese Bilder vom Wintereinbruch am Oberjoch bei Bad Hindelang beweisen. Die erste Nacht verbrachte ich in Immenstadt in einer malerisch oberhalb des Alpsees gelegenen Unterkunft.

Kirchen an der Alpenstraße

Früh am Morgen klingelte der Wecker. So saß ich bereits um kurz nach 7 Uhr am Frühstückstisch und brach gegen 7.30 Uhr auf. Hatte ich kurz darüber nachgedacht, je nach Wetter noch einmal beim Eichhörnchenwald in Fischen vorbeizuschauen, wo wir vor rund einem Jahr gewesen waren, verwarf ich diesen Gedanken schnell wieder. Denn das Wetter passte: Zwar war es nicht durchweg sonnig, aber immerhin hatten sich die Regenwolken weitgehend verzogen. Dazu waberte Nebel in den Tälern und immer wieder ließ sich kurz die Sonne blicken. Diese Bedingungen wollte ich ausnutzen, um einige der größten Highlights auf der Deutschen Alpenstraße zu erleben.

Zum ersten Ziel des Tages erkor ich Hohenschwangau, musste allerdings zwischenzeitlich immer wieder kurze Fotopausen einlegen – vorwiegend, um die malerischen Kirchen in Maria Rain bei Oy Mittelberg und in Nesselwang abzulichten.

Die bayerischen Königsschlösser

Gegen 9.15 Uhr stand ich aber endlich auf dem Parkplatz bei den Königsschlössern in Schwangau (Kostenpunkt: 8 € für den ganzen Tag). Sahen wir bei unserem ersten Besuch die Hand vor Augen nicht, weil Nebelschwaden alles bedeckten, so passten die Bedingungen diesmal deutlich besser. Hinzu kam, dass aufgrund der Pandemie (und des Wetters der letzten Tage) kaum Besucher vor Ort waren, wo üblicherweise tausende Menschen umherstromern. Direkt vom Parkplatz P4 konnte ich so die folgenden Bilder vom Schloss Neuschwanstein und vom Schloss Hohenschwangau schießen.

Anschließend ging ich kurz die paar Meter zum benachbarten Alpsee, verzichtete jedoch auf eine Umrundung und nahm den Aufstieg zur Marienbrücke in Angriff. Dieser ist übrigens ebenso kostenfrei möglich wie ein Spaziergang am Schloss entlang. Zahlen müsst ihr nur, wenn ihr hinein wollt. Darauf verzichtete ich allerdings. Was mir positiv auffiel, waren die fehlenden Menschenmassen. Auf dem Weg zur Marienbrücke überholte ich lediglich ein Pärchen und eine Familie mit Kindern. Das war`s! Unter normalen Bedingungen wäre dies undenkbar. Leider musste ich feststellen, dass ich den Weg zur Brücke umsonst in Angriff genommen hatte, denn meine Höhenangst machte mir einen Strich durch die Rechnung. Ich traute mich trotz mehrerer Versuche nur vier, fünf Schritt auf die 90 Meter hohe Brücke, ehe mir die Knie zitterten. Irgendwann gab ich auf. Frustriert machte ich mich auf den Weg hinüber zum Schloss – und sollte feststellen, dass nicht alles umsonst gewesen war. Denn nach einigen Metern bot sich mir der folgende Ausblick über den Alpsee auf die Schwangauer Alpen mit Schloss Hohenschwangau im Vordergrund. Das entschädigte wenigstens ein wenig für den 40-minütigen Aufstieg.

Dieser fantastische Ausblick auf den Alpsee und das Schloss Hohenschwangau ergibt sich von einem Punkt zwischen Marienbrücke und Schloss Neuschwanstein.

Eine kurze Stippvisite beim Schloss Neuschwanstein selbst zeigte, dass hier doch etwas mehr los war. Die Perspektive war ohne Weitwinkel-Objektiv zudem nicht ergiebig. Ich musste allerdings neidlos anerkennen, das König Ludwig Geschmack hatte. Das Märchenschloss selbst ist natürlich unbestritten eine Schönheit, aber auch der Ausblick über die weite Ebene mit glitzernden Seen bis zu den entfernten Bergen ist gigantisch. Dennoch riss ich mich recht schnell los, um das Prunkbauwerk noch aus einer anderen Perspektive einzufangen. Ziel war die Talstation der Tegelbergbahn. Von dort starten einige Wanderwege in die Berge. Zunächst ging es auf einer asphaltierten Straße entlang des Skilifts durch herbstlich gefärbte Bäume den Berg hinauf. Bald hörte ich das Rauschen eines Gebirgsbachs. Einer Eingebung folgend balancierte ich über die Steine im Wasser, den weiteren Verlauf des Wanderwegs ignorierend, und stiefelte danach quer über die Wiese. Dabei hielt ich mich rechts und marschierte den Hang hinauf. Dies sollte sich auszahlen, denn nach vielleicht 200 Metern eröffnete sich dieser Blick auf Schloss Neuschwanstein.

Nach diesem Erfolg sparte ich mir aufgrund der fortgeschrittenen Tageszeit weitere Streifzüge in der Umgebung. Es war bereits Mittag und ich wollte noch ein paar weitere Stationen anfahren. Kurz hielt ich an der Kapelle St. Coloman, die sich direkt gegenüber von der Tegelbergbahn befindet.

Die Kapelle St. Coloman befindet sich in Schwangau in unmittelbarer Nähe zur Tegelbergbahn.

Indian Summer in Oberammergau

Danach ging es über Halblech und Steingaden nach Oberammergau. Am Ortsausgang hielt ich auf einem Parkplatz, um mir kurz die Beine zu vertreten. Schon von der Straße fand ich das Panorama mit der Ammer im Vordergrund, den herbstlichen Laubbäumen und den Alpen im Hintergrund hübsch – und ich sollte nicht enttäuscht werden.

Wanderung um den Eibsee

Kurz darauf passierte ich das bekannte Kloster Ettal, wo ich aber nicht anhielt. Hier waren mir zu viele Menschen unterwegs. Außerdem hätte man Eintritt bezahlen und somit Zeit für eine Führung investieren müssen. Zeit, die ich mir nicht nehmen wollte. Stattdessen steuerte ich Grainau an, einen kleinen Ort nahe Garmisch-Partenkirchen, der mit mehreren Sehenswürdigkeiten aufwarten kann: Höllentalklamm, Zugspitze und Eibsee. Die Klamm war geschlossen, die Zugsspitze hätte zu viel Zeit in Anspruch genommen, also entschied ich mich für den Eibsee. Dieses Gewässer hat sich in den letzten Jahren zu einem echten Hotspot für Instagrammer gemausert. Türkisblaues Wasser mit kleinen Inselchen am Westende und dem Zugspitzmassiv im Hintergrund sind gute Argumente. Also wollte ich bei einer Umrundung sehen, ob der Eibsee seinem Ruf gerecht wird. Aus meiner Sicht (trotz nicht gerade perfektem Fotowetter) ein klares Ja! Was meint ihr? Die Strecke ist übrigens etwa 8 km lang und ihr benötigt je nach Anzahl der Fotostopps etwa zwei Stunden dafür. Die Parkkosten betragen 8 € für den ganzen Tag. Anbei ist ein toll gelegenes Panorama-Restaurant, wo ich mir einen Burger und ein Helles gönnte. Für die Menge war es preislich mit insgesamt 17 € absolut im Rahmen.

Garmisch und der Wankberg

Mein Quartier bezog ich im rund 30 Minuten entfernten Wallgau, einem typisch oberbayrischen Ort wie aus dem Bilderbuch. Hier ging es recht gemütlich zu – was aber auch auf Garmisch-Partenkirchens historische Altstadt zutraf, wie ich am nächsten Morgen feststellte.

So menschenleer ist die Historische Ludwigstraße in Garmisch-Partenkirchen nur selten.

Die erste Station an diesem Morgen war aber der Gipfel des Wank. Dies ist der Hausberg von Garmisch-Partenkirchen. Weil die Wankbahn außer Betrieb war, hielten sich an diesem Tag kaum andere Menschen rund um das Massiv auf. Ich parkte kostenlos an der Zufahrtsstraße und machte mich zu Fuß auf den Weg in Richtung Gipfel. Nach einer Stunde legte ich eine Rast an der Daxkapelle ein, von wo ich erste Fernblicke über Garmisch-Partenkirchen und bis zum Zugspitzmassiv und auf das Karwendelgebirge genoss.

Nach einer Stunde Aufstieg auf den Wank legte ich eine Rast bei der Daxkapelle ein.

Etwa 30 Minuten später kam ich an der Mittelstation der Wankbahn an. Hier begann es zu regnen. Dennoch beschloss ich, noch etwas weiter hinaufzusteigen. Toll war, dass ich den Berg fast für mich allein hatte, weniger toll, dass es eiskalt war und Nieselregen zu meinem Begleiter wurde. Ich ärgerte mich, dass ich meine Mütze vergessen hatte. Kurz vor dem Gipfel drehte ich schließlich um. Ohnehin schienen alle Hütten geschlossen zu sein. Immerhin erhaschte ich noch einige tolle Blicke auf die Mittelstation der Wankbahn vor den schneebedeckten Alpen im Hintergrund. Bei der Daxkapelle machte ich erneut Pause, um meinen schmerzenden, kreuzbandgeschädigten Knien eine Pause zu gönnen und ein Helles als Belohnung zu verkosten. Immerhin war es ja schon 12 Uhr. Etwas ägerlich war, dass nun die Sonne herauskam, als ich schon beinahe wieder am Ausgangspunkt angekommen war.

Spiegelungen am Barmsee

Weil es nun so aufgeklart war, wollte ich keine Zeit vertrödeln und mich lange in Garmisch-Partenkirchen aufhalten. Ich aß schnell einen Döner und fuhr dann wieder in Richtung Wallgau. Im Ort Barmsee stellte ich das Auto ab, um den gleichnamigen See anzuschauen. Eigentlich wollte ich aufgrund schmerzender Muskulatur keine weitere Wanderung mehr unternehmen. Doch die Gegend war einfach wunderschön und der inzwischen blaue Himmel tat sein Übriges. Daher generierte ich weitere 11 km, umrundete den Barmsee, schaute beim benachbarten Grubsee vorbei und überlegte kurz, ob ich auch noch zum Geroldsee, einem Instagram-Hotspot, laufen sollte. Ich entschied mich aber dagegen. Man muss ja nicht jedes Bild knipsen, das schon 100.000 Menschen vorher geschossen haben. Schöner als der Barmsee konnte der Geroldsee außerdem kaum sein…

Wickie und der Walchensee

Zum Abschluss des Tages fuhr ich noch schnell zum Walchensee. Hier wurde der Film „Wickie und die starken Männer“ gedreht und die Original-Filmkulissenhäuser der Siedlung „Flake“ sind hier aufgebaut. Es war allerdings nicht sonderlich spektakulär. Also machte ich nur ein schnelles Bild vom Ort und dem See und verzog mich ins Hotel in Wallgau.

Der Walchensee bei Einbruch der Dunkelheit.

Schon war der letzte Urlaubstag da! Nach dem Frühstück und dem Check-out ging es in großen Schritten Richtung Heimat. Es regnete ununterbrochen, weswegen weitere Zwischenstopps in der Natur ins Wasser fielen. Eine kurze Fahrt am Starnbergersee entlang und ein bewegender Rundgang durch das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg blieben die einzigen Pausen. Am Abend war ich schließlich zurück im Siegerland – im Gepäck die Erkenntnis, dass es auch in Deutschland sehr schön sein kann. Ein echter Ersatz für Reisen nach Südafrika oder Kanada allerdings ist weder Bayern noch Helgoland. In diesem Sinne bleibt zu hoffen, dass die Reisebeschränkungen im kommenden Jahr aufgehoben werden. Vielleicht klappt es ja sogar schon zwischen den Jahren mit einer Reise nach Griechenland oder auf die Kanaren. Wir werden sehen…

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