Abschluss am Atlantik

Nachdem wir etwas länger geschlafen und gut gefrühstückt hatten, holperten wir um kurz vor 10 Uhr von der Schotterpiste des Gondwana Game Reserves und stellten uns auf eine sechsstündige Autobahnfahrt ein. Doch das Navi hatte andere Pläne: Es lotste uns geradewegs auf eine weitere holprige Piste, der wir für 41 km folgten. Danke dafür! Da merkt man mal wieder, wie blind man diesen Geräten vertraut…

Auf der weiteren Strecke gefiel uns besonders Swellendam. Wir hatten extra einen kleinen Schlenker gedreht, um einmal hindurchzufahren. Dort verließen wir auch die N2 und fuhren über Landstraßen in Richtung Küste. Die Orte, die wir hier passierten, machten auf uns keinen guten Eindruck. Es war die sicherlich ärmste und potenziell unsicherste Ecke, die wir durchquerten. Egal ob Montagu, Ashton oder Worcester – hier trafen Wohlstand auf bittere Armut, was nie eine tolle Kombination ist! Also ließen wir uns auch nicht zu mehr als einem kurzen Tank- und Toilettenstopp hinreißen, wobei immer einer von uns im Auto sitzen blieb. Immerhin erregten wir kein Aufsehen und wurden sogar wieder auf Afrikaans angesprochen.

Ansonsten verlief die Fahrt recht eintönig, bis unser Navi erneut für ein wenig Abwechslung sorgte und uns bei Mooreesburg ein weiteres Mal auf eine staubige Piste lotste. Hier waren zu allem Überfluss noch zwei Baustellen mit Ampelregelung, sodass wir eine ganze Weile länger brauchten. Aber egal, so haben wir auch das südafrikanische Hinterland ein wenig besser kennengelernt. 😉

Unser erster Eindruck von Paternoster war positiv: gepflegt, einheitliches Ortsbild mit weißen Fischerhütten und vielen Restaurants vor toller Atlantik-Küste. Unsere Ferienwohnung im „Gonana Guesthouse“ bot einen direkten Zugang zum kleineren, aber ruhigeren und schöneren der beiden Strände. Auch der Empfang durch die Mitarbeiterinnen war sehr herzlich. Das Zimmer hingegen fiel im Vergleich mit den anderen Unterkünften ebenso wie das Bett ein wenig ab. Zudem war es sehr hellhörig.

Am Abend gingen wir ins Restaurant „Leeto“, wo uns die Hotel-Angestellten einen Tisch reserviert hatten. Luxuriös, direkt am Meer gelegen, extrem lecker, aber nicht hundertprozentig sättigend – so lautete das Fazit zum Essen. Wobei dieses in Deutschland sicher nicht „nur“ 52,50 €, sondern mindestens das doppelte gekostet hätte. Außerdem ereignete sich hier ein Novum: Ich fror im T-Shirt ohne Ende, während Sara durch ihre dünne Jacke offenbar ausreichend gewärmt wurde. Das haben wir sonst auch nicht so oft…

Tags darauf schliefen wir bis 8 Uhr, frühstückten mit Meerblick, aber leider auch mit mehreren anderen Gästen, darunter ein Geburtstags“kind“ aus Deutschland und brachen schnell in Richtung Langebaan auf. Dort liegt der West Coast National Park, den wir in den folgenden Stunden ausgiebig erkundeten. Glücklicherweise war hier nicht viel los. Die ersten Stopps hatten wir sogar ganz für uns allein. Wir genossen den Ausblick auf die Langebaan Lagune mit ihrem türkis schimmernden Wasser sowie die vielen bunten Blumen, die zwar im August und September den Höhepunkt ihrer Blüte erreichen, aber auch Anfang November noch vorhanden waren. An Tieren liefen uns vor allem unzählige Schildkröten und Echsen über den Weg. Auch eine Babyschlange sahen wir. Diese war aber zu schnell verschwunden, als dass wir ein Bild hätten machen können. Generell sollen wir besonders viele Kapkobras leben. Wir konnten uns hiervon nicht überzeugen.

Vor allem Birding-Enthusiasten kommen hier auf ihre Kosten, leben doch im Brackwasser und den Sümpfen unzählige Arten, darunter auch viele Zugvögel aus Afrika und Europa. Unser Highlight waren die Flamingos.

Zum Abschluss spazierten wir noch ein wenig über einen fantastischen Strand auf der anderen Seite der Lagune und machten einige Fotos. Auf dem Rückweg aßen wir bei SPUR in Vredenburg, sodass sich nach dem ersten Essen in Heidelberg ein Kreis schloss. Es war wieder sehr lecker, aber ich war zu doof, zu raffen, dass Chicken Liver Hühnerleber bedeutet und habe mir daran wohl ein wenig den Magen verbogen. Jedenfalls führten bis zum Abflug zahlreiche Gänge auf die Toilette, bis das Essen wieder raus war.

Am Nachmittag ging es dann ans Meer. Wie lasen etwas, genossen die 20 Grad und das Wellenspiel und holten uns zumindest noch etwas Bräune und Vitamin D ab, ehe es morgen zurück ins kalte Deutschland gehen sollte. Auf ein Abendessen verzichteten wir, vernichteten stattdessen die letzten Bier- und Essensvorräte und gingen früh ins Bett.

Um 10.30 Uhr brachen wir am nächsten Morgen in Richtung Kapstadt auf. Mit ein paar Foto-Stopps in Yzerfontein, im Blawberg Nature Reserve und in Bloubergstrand vertrieben wir uns die Zeit. Beim letzten Südafrika-Trip hatten wir den Tafelberg vor lauter Dunst von hier aus nicht gesehen. Diesmal lief es deutlich besser. Südafrika wollte uns scheinbar von seiner besten Seite verabschieden. Bei KFC in Bloubergstrand aßen wir noch eine Kleinigkeit, tankten voll und waren um 14.30 Uhr am Flughafen. Viel zu früh! Denn um 15.30 Uhr saßen wir bereits fix und fertig am Gate, obwohl der Flug erst um 17.20 Uhr ging. Egal, so konnten wir noch lesen und die Bilder bereits bearbeiten. Der Rückflug ging dann – bis auf ein paar Wackler über dem Mittelmeer – sehr ruhig vonstatten und wir landeten planmäßig um 5.25 Uhr in Frankfurt. Um 8.30 Uhr waren wir daheim und legten uns erstmal ins Bett, da wir am übernächsten Tag bereits wieder arbeiten mussten.

Abschließend noch ein Memo an mich: Am Kapstädter Flughafen müssen wir beim nächsten Mal noch 50 Cent abliefern, die uns erlassen wurden, weil wir nicht mehr genug Bargeld dabei hatten. Wie freundlich die Menschen doch in Afrika sind, obwohl sie weniger haben als wir. Die Dame ließ auch nicht mit sich reden, wollte keine Kartenzahlung, kein Zurückgeben von Ware oder Euros. Sie wollte uns einfach aus der Patsche helfen und etwas Gutes tun. So etwas vergisst man nicht und es steht für uns sinnbildlich für die Art der Menschen auf diesem Kontinent, mit denen wir durchweg positive Erfahrungen machten.

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