Big 4 im Gondwana Game Reserve

Auf der kurzen Fahrt von Mossel Bay ins Gondwana Game Reserve fragten wir uns immer wieder, ob es uns dort nach den ruhigen Tagen zu Beginn gefallen würde und ob wenigstens ein bisschen Wildnis-Gefühl aufkommen würde. Das Navi zeigte noch 15 Minuten an, als wir durch ein Industriegebiet und durch weitläufige Townships fuhren. Alles andere als vielversprechend! Doch plötzlich änderte sich die Landschaft und ein Wahnsinnspanorama tat sich auf – spätestens nach dem Verlassen der Hauptstraße! Nun hatten wir noch einige Kilometer über eine Schotterstraße zurückzulegen, wobei wir schon die ersten Tiere erblickten – besonders nach dem Durchqueren des ersten Gates. Gegen 13 Uhr kamen wir an der Rezeption an, erledigten schnell den Check-in samt der vielerorts obligatorischen Temperaturmessung und erhielten ein Mittagessen sowie die Ansage, dass unser erster Game Drive gegen 16 Uhr starten würde.

Der Eingang zum Gondwana Private Game Reserve bei Mossel Bay.
Und schon tauchten die ersten Tiere auf. Die Landschaft ist ganz anders als in der Karoo.
Das Zentrum des Parks mit dem Pool und den Kwena Lodges.

Also nutzten wir die verbleibende Zeit, um uns einzurichten. Beim ersten Mal begleitete uns ein Guide mit seinem Fahrzeug zu unserer Villa, die etwa 20 Minuten abseits des Hauptcamps lag. Genauso wie wir es mögen! Beinahe entschuldigend hatte man uns beim Einchecken darauf hingewiesen und angeboten, dass wir jedesmal abgeholt werden könnten. Doch wir lehnten dankend ab. So erlebten wir bei jeder Fahrt zu Frühstück/Game Drive und Abendessen eine kleine persönliche Self-Drive-Safari und genossen drumherum absolute Ruhe und Abgeschiedenheit. Zugegeben: Die vier Schlafzimmer/Bäder, die Küche und die mehreren Terrassen nutzten wir nicht wirklich. Aber es war dennoch ein Erlebnis, einmal solchen Luxus genießen zu dürfen. Schön war auch, dass die Tiere bis zur Villa kamen. An einem Abend belagerten um die 20 Gnus das Haus, als wir vom Essen kamen. Nachts tobte eine Pavianhorde auf dem Dach herum, die ich nicht gehört hätte, wenn mich Sara nicht aus Sorge vor einem Einbruchsversuch geweckt hätte.

Dennoch müssen wir konstatieren, dass Gondwana für uns – anders als die übrigen besuchten Regionen – ein wenig „Safari-Park-Feeling“ hatte. Das war nicht tragisch, da das Areal mit 11.000 Hektar großzügig war und zudem ein Conservation-Gedanke dahintersteckt. Anders als bei rein kommerziellen Parks wird hier der Artenschutz-Aspekt großgeschrieben und es bestehen Forschungsaktivitäten. Dennoch kam man den Tieren bisweilen unnatürlich nah und konnte binnen zweier Game Drives mehr oder weniger alles sehen, was man sich vorgenommen hatte. Es glich eher dem Abhaken auf einer Liste, weil die Guides wussten, wo die Tiere sind, als in den staatlichen Parks. Aber wir wollen es auch nicht zu schlecht machen, denn wir haben die Zeit genossen und einige besondere, auch für unseren Guide nicht alltägliche Dinge gesehen. Dennoch muss man ehrlicherweise diese Punkte ansprechen – und auch, dass hier einfach sehr viel mehr los war und die Safari-Fahrten mit einem Neunsitzer stattfanden. Allein in der Wildnis ist man hier also nicht!

Unsere bescheidene Villa lag etwa 20 Minuten außerhalb des Rezeptionsbereichs.
Das Wohnzimmer und eine der Terrassen von der Galerie aus gesehen. Dazu gab es eine Küche, vier Schlafzimmer, vier Bäder und einen Arbeitsbereich. Dekadenz pur!

Nun aber wieder der Reihe nach! Um 16 Uhr fanden wir uns wieder an der Rezeption ein, wo es Kaffee, Kuchen und Snacks gab und die Gäste auf die Fahrzeuge verteilt wurden. Wir hatten Glück und kamen mit netten Leuten zusammen: ein Paar aus Frankfurt, zwei Schwestern aus Luxemburg und ein französisches Paar. Dazu erwischten wir eine nette und engagierte Führerin. Trotzdem war der Menschenauflauf hier fast zuviel für uns, nachdem wir zuvor tagelang nur vereinzelt Kontakt mit Menschen hatten – und wenn fast nur Einheimische. Sobald es jedoch losging, waren die anfänglichen Gedanken wie weggeblasen.

Als erstes sahen wir Elefanten in einer spektakulären Naturkulisse.
Auch für Nahaufnahmen reichte es, da die Dickhäuter an Menschen gewöhnt waren.
Gleich darauf sahen wir Nashörner – diesmal die friedlicheren White Rhinos.
Auch kuschelnde Impalas verirrten sich vor unsere Kameras.
In einem Wasserloch schwammen Nilpferde. Zunächst verhielten sie sich noch ruhig.
Dann erlebten wir, warum sie zu den gefährlichsten Tieren Afrikas zählen. Wobei das hier nur Mutter und Kind beim Spielen sind.
Der Höhepunkt folgte aber noch, als wir diesen Kalahari-Löwen im Gras entdeckten.
Ein absolutes Prachtexemplar, oder?!

So hatten wir an diesem Abend bereits fast alles gesehen, was wir uns erhofft hatten. Das ging fast schon zu einfach für unseren Geschmack. Und auf der Rückfahrt ins Camp durften wir dann auch noch zwei Nashörner beim spielerischen Kampf beobachten.

Zurück im Main Camp, waren wir ziemlich durchgefroren und dementsprechend froh, dass wir einen Platz am Kamin des Restaurants zugewiesen bekamen und uns schnell aufwärmen konnten. Wir wählten das Gnu-Steak von der Speisekarte – und waren hellauf begeistert. Nach dem Dessert und einem Bier machten wir uns bald auf den Weg in unsere Villa. Wir mussten ja fit sein für den morgendlichen Game Drive, der für 6.30 Uhr angesetzt war. Zusätzlich hatten wir ja noch die 20-minütige Anfahrt. Hieß: 5.30 Uhr aufstehen!

Yammi! Gnu schmeckt wie ein Mix aus Rind und Reh. Sehr lecker, auf den Punkt zubereitet.

Am nächsten Morgen kamen wir recht gut aus dem Bett und freuten uns schon auf den Game Drive. Welch ein Glück wir haben sollten, das ahnten wir da freilich noch nicht! Nach einigen „gewöhnlichen“ Sichtungen zum Auftakt fuhren wir auf der Suche nach Giraffen in ein Seitental des Game Reserves. Oben auf der Kuppe fand unsere Fahrerin zunächst den Stachel eines Stachelschweins, den sie aufsammelte und herumreichte. Überhaupt hatte sie viele Erklärungen parat und schien aufrichtig für ihren Job und die Tiere um sie herum zu brennen. Dann geriet sie plötzlich völlig aus dem Häuschen, lachte immer wieder laut auf und rief: „Schaut euch die Gnus da unten an! Die sind in heller Aufregung und laufen weg. Seht ihr, was da passiert? Was ein Glück!“ Und tatsächlich: Ein Rudel Löwen jagte die Gnus vor sich her – und erwischte eines davon! Sofort fuhren wir zu besagter Stelle. Dort blieben wir mindestens eine Stunde lang. Da ihr Funkgerät keinen Empfang hatte, konnte sie ihren Kollegen nichts von der außergewöhnlichen Sichtung mitteilen und wir hatten die spektakuläre Situation für eine Stunde für uns. Natürlich knipsten wir die Speicherkarte komplett voll!

Der etwa ein Jahr alte Nachwuchs hatte uns genau im Blick. Die Krallen sind schon beeindruckend.
Auch Sprungkraft ist vorhanden. Er spielte gern mit seiner Schwester. Spannend war zu beobachten, dass die Bewegungsabläufe genau die gleichen sind wie bei unseren Katzen.
Viel Spiel macht viel Durst! Danke für die Spiegelung, liebe Löwen!
Der Kleine war eine richtige Wasserratte, fischte immer wieder Stöcke aus dem Fluss und attackierte die Artgenossen.

Irgendwann mussten wir uns aber lösen, damit weitere Gäste die Chance erhielten, sich das Spektakel anzuschauen. Unsere Fahrerin berichtete, dies sei in acht Jahren eine ihrer Top3-Sichtungen gewesen. Wir hatten also wirklich mal wieder gehöriges Glück gehabt! Und es sollte uns auch beim Abend-Game-Drive hold bleiben: Nachdem die Giraffen drei Tage lang nicht mehr gesehen worden waren, tauchten sie plötzlich vor uns auf. Und nicht nur das: Ein Büffel schlich sich mit ins Bild – Wahnsinn! Zum Abschluss sahen wir nochmal Nashörner, Elefanten und viele Herdentiere, doch nichts konnte mehr die Erlebnisse des Tages toppen.

Deshalb (und weil der Akku leer war) entschieden wir auch, den letzten Game Drive auszulassen. Gleiches taten die anderen Gäste, sodass die luxemburgischen Schwestern in den Genuss einer Privatsafari kamen. Wir genossen hingegen das Ausschlafen genauso wie am Nachmittag zuvor den Luxus unserer Villa. Dafür hatten wir das Mittagessen sausen lassen, sodass wir viele Leistungen gar nicht in Anspruch genommen hatten und eigentlich auch mit einer Übernachtung hingekommen wären. Aber man weiß halt nie, wie viel Glück man auf Safari hat…

Eine Zusatzleistung mussten wir jedoch in Anspruch nehmen: Weil die Waschmaschine nicht lief und die Park-Mitarbeiter uns nicht helfen konnten, riefen sie einen Elektriker. Wie sich herausstellte war dies ein vor vielen Jahren ausgewanderter Schweizer, mit dem wir uns nett unterhielten und den wir auch beim Verlassen des Parks wieder trafen. Er möchte Südafrika wieder den Rücken kehren und zurück nach Europa. Die politischen und wirtschaftlichen Probleme seien durch Corona nochmals größer geworden. Vielleicht werde er aber nach einigen Jahren zurückkehren. Das Problem mit der Waschmaschine war übrigens schnell behoben: Jemand hatte schlicht das Wasser ausgestellt! Peinlich, aber die Parkmitarbeiter hatten den Fehler ja auch nicht gefunden…

Beim Frühstück trafen wir schließlich den Rest unserer Gruppe wieder, tauschten Kontaktdaten aus und verabschiedeten uns. Immerhin mit den netten Frankfurtern hat das Kontakthalten bisher gut geklappt. Nun lag eine lange Fahrt nach Paternoster nördlich von Kapstadt vor uns, sodass wir uns mit der Abreise beeilten.

So gern der Büffel überholen wollte, die Giraffen machten ihm keinen Platz!
Diese beiden Giraffen schienen sich eindeutig zu mögen. 😉

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