Zu Zweieinhalbt an die Algarve

Dieser Urlaub war sollte ganz Besonderes werden – und das gar nicht mal aufgrund eines besonders exotischen Reiseziels, sondern aufgrund der Tatsache, dass wir zum ersten Mal quasi zu Dritt unterwegs waren. Zugleich war es die letzte (oder vorletzte?) Auszeit als Paar vor der Geburt unseres ersten Kindes. Entsprechend entspannt war diesmal unsere Planung: Es sollte kein langer Roadtrip sein. Trotzdem wollten wir natürlich ein bisschen was vom Land sehen. Im Vordergrund stand nach einem langen, grauen Winter samt Jobwechsel und Schwangerschaft der Wunsch nach Sonne und Erholung ohne eine allzu weite Anreise. Das grenzte die möglichen Ziele schonmal beträchtlich ein. Immerhin war es erst Mitte März. Übrig blieb neben den Kanaren (waren wir schon) fast nur noch das südliche Portugal. Wir verfolgten die Wetterlage einige Tage und freuten uns, dass es den ganzen Februar über konstant sonnig war – bei immerhin knapp 20 Grad. Also flugs Urlaub eingereicht und ein nettes, kleines Hotel direkt am Meer in Sagres gebucht. Der Ort liegt ganz am Ende der Algarve und markiert das südwestliche Ende Europas. Danach kommt bis zur US-Ostküste außer dem schier endlosen Atlantik nichts mehr. Die Wahl des Zielortes ging einher mit der Notwendigkeit, die Algarve mindestens zweimal von Faro aus fast komplett zu durchqueren, was aber in rund anderthalb Stunden sehr entspannt machbar ist.

Polizeikontrolle und Autobahn-Sperrung

Aber von vorn: Das Wort „entspannt“ ist eine perfekte Steilvorlage für den Beginn unserer Reise. Denn wir waren – trotz der übertriebenen Urlaubsreife und meiner beginnender Erkältung – wirklich sehr entspannt. Die letzten beiden Jahre hatten wir Fernreisen nach Südafrika (2x) und in die Dominikanische Republik unternommen, sodass wir diesmal deutlich weniger Gepäck benötigten und viel geringere Reisestrapazen erwarteten. So arbeiteten wir donnerstags noch regulär, waren gegen 17.30 Uhr daheim, packten gemütlich unsere Siebensachen und legten uns gegen 22 Uhr für ein paar Stunden ins Bett bzw. aufs Sofa. Denn ich wollte Sara und den Krümel nicht anstecken und war bereits vor zwei Nächten „ausgezogen“. Um 2 Uhr riss uns der Wecker aus dem Schlaf. Da der Flug um 6.10 Uhr ab Düsseldorf ging, hieß es früh aufstehen. Die morgendliche Routine war schnell erledigt und gegen 2.45 Uhr saßen wir im Auto. Anderthalb Stunden zeigte das Navi für die Strecke bis Düsseldorf an. Zuvor mussten wir noch tanken und Geld abheben, aber alles schien easy. Aber es kam wie so oft bei unseren Reisen (vgl. Kenia 2018, USA 2019 und Südafrika 2020): Nicht ist jemeils einfach! 🙂

Schon nach wenigen Kilometern – noch in unserer Heimatkommune – kam uns die Polizei entgegen. Ich sagte noch: „Die drehen jetzt unter Garantie um und halten uns an. Außer uns ist keiner unterwegs und die haben Langeweile.“ Natürlich behielt ich recht! Im Rückspiegel sah ich, wie der Streifenwagen wendete, näher kam und das „Stopp“ aufleuchtete. Also rechts rangefahren und die „allgemeine Verkehrskontrolle“ über uns ergehen lassen. Als ich den netten Beamten erzählte, dass wir auf dem Weg zum Flughafen seien, ließen sie uns allerdings schnell weiterfahren. Zehn Minuten später waren wir auf der Autobahn – und schon nach zwei, drei Kilometern erfolgte das jähe Ende unserer Fahrt! In einer Dauerbaustelle auf einer der maroden A45-Brücken hielten vor uns zwei Lkw, davor sahen wir Blaulicht. Was war hier los? Ich scherte aus – und sah die Schrift „Autobahn gesperrt“ aufleuchten. Nicht im Ernst, oder? In diesem Moment sah ich unseren ersehnten Erholungsurlaub bereits davonschwimmen. Doch nach einer Viertelstunde durften wir plötzlich weiterfahren. Scheinbar war irgendwas in der Baustelle los gewesen. Ab hier ging es unbehelligt weiter nach Düsseldorf, wo wir um 4.45 Uhr ankamen. Also lagen wir voll im Zeitplan.

Technische Probleme am Flugzeug

Die Kontrollen in Deutschland sind immer lasch, erst recht bei Flügen in andere EU-Länder. Deshalb ging alles schnell voran und wir saßen überpünktlich am Gate, nachdem eine freundliche Sicherheitskraft Sara glücklicherweise darauf aufmerksam gemacht hatte, dass sie als Schwangere nicht durchs Röntgengerät muss. Nun wähnten wir uns bereits halb in Portugal. Doch weit gefehlt! Einen Aufreger hielt dieser Morgen noch für uns bereit: Der Kapitän sagte an, dass es ein technisches Problem gebe und wir nochmal vom Startfeld zurück müssten. Gott sei Dank konnten die Techniker den Fehler schnell beheben. Letztlich landeten wir nach einem sehr ruhigen knapp dreistündigen Flug mit nur 30 Minuten Verspätung in Faro. Hier nahmen wir unseren Mietwagen in Empfang, nachdem wir per Shuttle zur Station von Auto Rent gefahren worden waren. Dass der Übergabe-Ort außerhalb des Flughafens ist, hatten wir irgendwie nicht am Schirm. Das war aber nicht weiter schlimm.

Blick aus dem Flugzeug auf das Douro-Tal in Portugal.
Unser Mietwagen vor dem Hotel.

Australien-Feeling am Praia da Falesia

Nach diesen letzten Aufregern ging es mit unserem nagelneuen Seat Ibiza in Richtung Sagres. Weil wir bis zum Check-in im Hotel noch mehr als fünf Stunden Zeit hatten, legten wir schon auf dem Hinweg einige Zwischenstopps ein. Als erstes schauten wir uns den Praia da Falesia an. Der Strand liegt zwischen Vilamoura und Albufeira und erinnert mit seinen roten Felsen irgendwie an Australien. Ein schöner Einstieg in die Reise! Nach einem kleinen Strandspaziergang aßen wir in einem kleinen Café (Amar Gelataria) ein vorzeitiges Mittagessen.

Malerisch: Der Praia da Falesia.

Praia da Marinha: Felsalgarve wie im Bilderbuch

Das nächste Ziel lag nur eine gute halbe Stunde entfernt: Der Praia da Marinha könnte sich kaum mehr von seinem Vorgänger unterscheiden: Schroffe, rote Felsnadeln erheben sich majestätisch aus dem Wasser. So hatten wir uns die Felsalgarve vorgestellt. Wir schlenderten eine Weile in Richtung Benagil an der Küste entlang und genossen das recht warme Wetter, ehe wir nach Sagres aufbrachen.

Felsig: Der Praia da Marinha.

Unsere Unterkunft: Mareta View B&B in Sagres

Dort hatten wir uns im Mareta View Boutique Bed & Breakfast eingebucht. Vorab hatten wir um ein ruhiges Zimmer im OG mit Meerblick und Balkon gebeten. Dieser Wunsch wurde uns erfüllt! Wir erhielten Zimmer 214, welches einen tollen Blick auf den Mareta Beach und seitlich bis zur Festung von Sagres beinhaltete. Viele Restaurants waren fußläufig erreichbar und trotzdem hörte man keinerlei Lärm. Ebenfalls Pluspunkte waren die Prakplätze direkt vor dem Hotel, der schöne Garten und der leckere Kaffee, den es beim Frühstück gab. Das Essen selbst war absolut okay, aber nicht sehr abwechslungsreich. Insgesamt können wir die Unterkunft im Preis-Leistungs-Verhältnis aber absolut empfehlen (ca. 600 €/Woche zu zweit).

Tipps für Sagres: Kap, Festung und Strände

Der Ort Sagres hat einiges zu bieten. Beginnen wir mit den Restaurants: Besonders gut fanden wir das „Three Little Birds“ (mexikanisch/amerikanisch), wo wir gleich dreimal gegessen haben. Das indische Holi Diwali war ebenfalls lecker. Genauso die Pizzeria D’Italia, wo man als Gast unseres Hotels 10% Nachlass erhielt, und das feine, etwas teurere Armazém. Mit das beste Eis unseres gesamten Lebens haben wir in der Gelateria Alice, Art & Heart gegessen. Neben den Restaurants gibt es einige Strände: Der Praia da Mareta im Ort ist den Surfern vorbehalten, den Praia do Tonel hatten wir an einem späten Nachmittag zeitweise ganz für uns allein und der weitläufige Praia do Martinhal bei den Luxus-Unterkünften am Ortsrand ist gut für Familien mit Kindern geeignet, da hier die Brandung weniger krass ist. Über die Klippen konnte man zudem von unserem Hotel aus sehr gut zu Fuß zur Fortaleza de Sagres laufen, einer riesigen Festungsanlage. Eine Landzunge weiter befindet sich das Cabo de Sao Vicente, der südwestlichste Punkt des europäischen Festlands. Leider war der Wagen mit der „Letzten Bratwurst vor Amerika“ noch im Winterschlaf, als wir dort waren. Man kann also durchaus zwei, drei Tage nur in Sagres und Umgebung bleiben. Wir taten dies auch notgedrungen, da zu unserer Reisezeit das Wetter recht durchwachsen war. Zwei supersonnige, zwei stark verregnete und drei gemischte Tage standen nach einer Woche zu Buche. In Deutschland war es übrigens die ganze Woche über sonnig, wenn auch nicht ganz so warm wie in Portugal. Verrückte Zeiten…

Weitläufige Atlantik-Strände

Der erste Halbtagesausflug führte uns die Atlantikküste hinauf bis nach Aljezur. Unterwegs hielten wir am wunderschönen Praia do Amado, am benachbarten Praia da Bordeira und schließlich am Praia Monte Clérigo. Uns gefielen diese naturbelassenen, weitläufigen Strände extrem gut – zumal kaum etwas los war. Zum Schwimmen könnten hier allerdings die Wellen zu krass sein, weshalb sie eher für Surfer geeignet sind.

Schroffe Felsen und malerische Küste der Algarve

Der zweite Ausflug ging in den Osten, an die Algarve. Nacheinander klapperten wir Algar Seco in Carvoeiro und den Praia dos Tres Irmaos (Praia da Prinha) sowie Ponta Piedade (Lagos) ab. In Lagos spazierten wir – nach einem Eis im Hafen – an der Promenade entlang. Am Nachmittag kehrten wir ins Hotel zurück.

Shoppen in Portimao und Störche in Silves

An einem Regentag fuhren wir zudem nach Portimao, um im „Aqua“, einer Einkaufsmall, shoppen zu gehen. Das half, um zwei Stunden totzuschlagen, aber das Shopping-Erlebnis hielt sich in Grenzen. Außerdem statteten wir den Störchen in Silves einen Besuch ab. Dort leben tausende dieser Tiere, was wirklich toll anzusehen ist. Außerdem thront über der Kleinstadt eine Festung, die man sich bei besserem Wetter sicherlich auch anschauen könnte.

Erholung mit Meerblick

Die übrige Zeit verbrachten wir essend, lesend und ausruhend im Hotel bzw auf dem tollen Balkon unseres Zimmers. Denn wir waren beide nicht fit: Sara schwanger, ich stark erkältet und von Halsschmerzen geplagt. So stand – wie eingangs berichtet – die Erholung absolut im Vordergrund. Und das hat auch geklappt. Die Rückreise verlief übrigens sehr viel ereignisärmer. Daher waren wir nach der Landung gegen 13 Uhr fit genug, um noch von Düsseldorf aus nach Köln zu fahren, damit wir im IKEA einen Stillsessel kaufen konnten, den es bei uns in Siegen nicht mehr gab. Am Abend trafen wir schließlich wieder daheim ein – und freuten uns darauf, schon in sieben Wochen den nächsten Urlaub in Aussicht zu haben. Das Ziel dann: Slowenien und Kroatien. Man muss die Zeit bis zum planmäßigen Geburtstermin am 14. August ja nutzen…

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