Zwischen Alpen und Mittelmeer

Unsere letzte Reise als Paar führte uns in der zweiten Mai-Hälfte 2022 auf den Balkan. Da Sara bereits im siebten Monat schwanger war, wollten wir weder fliegen noch extrem weite Strecken mit dem Auto zurücklegen. Wir wollten uns erholen, zugleich aber auch etwas sehen. Die perfekte Lösung: Wir buchten für eine Woche ein traumhaftes Ferienhaus mit Pool (Villa Annabelle in Farini bei Porec) und nutzten die andere Woche für den Hin- und Rückweg. So schafften wir endlich das, was wir uns schon bei den vorherigen Kroatien-Urlauben immer wieder vorgenommen, aber nie gemacht hatten: Wir nahmen uns Zeit für die Erkundung Sloweniens.

So entspannt wie diesmal gestaltete sich bisher noch keine Abreise in den Urlaub. Freitagmittag waren wir fertig mit arbeiten. So hatten wir ausreichend Zeit, in aller Ruhe zu packen. Los ging es dann nicht mitten in der Nacht, sondern morgens um 10 Uhr. Denn unser Tagesziel war Ingolstadt. Vor uns lag somit nur eine vierstündige Fahrt. Dort besuchten wir Freunde, spazierten mit ihnen durch die Stadt, kehrten in zwei Brauereien ein und kehrten sogar recht früh am Abend in unser Hotel „New Inn Gaimersheim“ zurück.

Am nächsten Morgen stand eine weitere etwas längere Fahrt auf dem Programm: Von Ingolstadt ging es in einer Tour durch bis nach Kranjska Gora in Slowenien. Der bekannte Wintersport-Ort liegt im Dreiländereck von Österreich, Slowenien und Italien und ist nur wenige Kilometer von Villach (Kärnten) entfernt. In dieser Region beeindruckten uns besonders die traumhaften Alpseen vor malerischer Bergkulisse. Nacheinander schauten wir uns den Lago di Fusine in Italien und den Zelenci See sowie am anderen Morgen den Jasna-See in Slowenien an. Letzterer erhielt von uns Köln-Fans für den Geißbock am Seeufer einen Sonderpunkt. Übernachtet haben wir im Hotel Miklic, wo uns eine sehr nette Dame begrüßte und ein sehr nettes Frühstück mit lokalen Spezialitäten und eigens zubereiteten Backwaren erwartete. Wir erhielten sogar ein kostenloses Zimmer-Upgrade auf ein Familienzimmer mit Balkon und tollem Bergblick.

Danach ging es weiter über den Vrsic-Pass ins dahinterliegende Soca-Tal. Leider stand es mit dem Wetter auf diesem kurzen Abschnitt nicht zum Besten, wenngleich ansonsten außergewöhnlich gute Bedingungen herrschten. In Slowenien hatten wir durchgängig 20-25 Grad und viel Sonne, in Kroatien waren es später sogar an die 30 Grad bei wolkenlosem Himmel. Wie unser Vermieter mitteilte, war das alles andere als üblich: „Gut für Urlaub, schlecht für Arbeit“, ließ er uns wissen. Wie auch immer – die Fahrt über den steilen, kurvenreichen Pass machte Sara doch sehr zu schaffen. Deshalb waren wir froh, als wir nach einem Halt am Viewpoint Supca auf der anderen Seite ankamen. Dort erwartete uns das wunderschöne Soca-Tal mit türkisblauem Wasser, Bergpanorama im Hintergrund und tiefgrünen Wäldern. Schön, dass hier noch deutlich weniger los war als in den nördlichen Alpenländern.

Beim ersten Zwischenstopp war die Soca noch ein schmales Bächlein, bei der letzten Station am Kanal ob Soci ist der Fluss schiffbar. Auf der Fahrt zu unserem nächsten Hotel in Bovec hielten wir immer wieder an und machten Fotos. Gefühlt hinter jeder Biegung warteten tolle Ansichten auf uns. Besonders toll waren die kleinen Soca-Tröge. Die größeren Brüder fanden wir hingegen nicht so spektakulär. Unser Hotel Boka liegt direkt am gleichnamigen Wasserfall, dem höchsten in Slowenien. Wir statteten ihm allerdings erst am Abend nach der zweiten Übernachtung einen Besuch ab. An diesem Nachmittag gönnten wir uns noch die steile, 5 km lange Wanderung vom Golfplatz zum Wasserfall „Slap Virje“. Beeindruckend, dass Sara das trotz ihres dicken Bauchs noch schaffte! Abends gab es zur Belohnung ein extrem leckeres Dinner im Hotel. Alles war frisch zubereitet – unter ausschließlicher Verwendung von Produkten aus der Region. Und das schmeckte man deutlich!

Den folgenden Tag widmeten wir der Region rund um Kobarid. Sagenhaft schön wie aus dem Bilderbuch war die Wanderung zum Slap Kozjak. Hier war alles dabei: Zunächst ging es entlang der türkisblauen Soca, dann durch einen Märchenwald und schließlich über mehrere kleine Brücken und Felsen bis zum Zielpunkt. Dies war sicherlich der schönste Spaziergang unseres Urlaubs. Zurück am Auto, mussten wir feststellen, dass wir einen 35€-Strafzettel an der Windschutzscheibe kleben hatten. Dabei hatten wir gar nicht gesehen, dass man hier bezahlen muss, weil der Automat erst hinter der nächsten Biegung stand. Auch dass das Mandat nur auf slowenisch war, vereinfachte die Sache nicht. Immerhin lernten wir, dass man das doppelte zahlt, wenn man sich mehr als sieben Tage Zeit lässt. Also informierte ich meine Eltern und bat sie, die Überweisung für uns zu tätigen, da wir kein Kartenlesegerät dabei hatten und PayPal & Co. nicht akzeptiert wurden. Aber egal, das war die Wanderung wert! Zumal wir an Ort und Stelle auch gleich noch zur Napoleonbrücke laufen konnten, die ebenfalls sehenswert ist.

Nach einem kurzen Besuch bei zwei Kirchen (Dreznica, Sveti Anton) fuhren wir noch nach Tolmin. Unterwegs aßen wir in einem Restaurant zu Mittag. Danach genossen wir verschiedene Ansichten der allgegenwärtigen Soca, die uns deutlich besser gefiel als die Nadiza Gorge. Zurück in Bovec folgte die Stippvisite beim höchsten Wasserfall Sloweniens und ein erneutes leckeres Abendessen im Hotel Boka. Der Mann an der Rezeption empfahl uns beim Check-out noch ein Restaurant in seiner Heimatstadt Postojna, unserem übernächsten Ziel. Mangels Zeit schafften wir es aber nicht mehr dorthin.

Nach dem Aufbruch stand ein Halt am Kanal ob Soci auf dem Programm. Dann ging es zügig weiter nach Postojna, wo wir die zweitgrößten Tropfsteinhöhlen Europas (Postojna Jama) und die größte Höhlenburg der Welt (Predjama Castle) besuchten. Beides war sehr sehenswert, aber nicht günstig. Anschließend nahmen wir das letzte Wegstück nach Istrien in Angriff.

Dort angekommen, wurden wir in der Villa Annabelle sehr herzlich empfangen. Entgegen unseren sonstigen Gewohnheiten taten wir eine Woche lang nichts. Wir chillten am Pool, grillten, gingen zweimal in den Supermarkt, fuhren einmal kurz ans Kap Kamenjak (wobei Sara die Hubbelpiste so schlecht bekam, dass wir sofort wieder umdrehten), schauten uns ganz kurz Pula an (Eisdiele und Amphitheater) und gingen einmal essen. Mehr passierte die ganze Woche über nicht – und das war auch gut so!

Auf der Rückfahrt legten wir einen Mini-Zwischenstopp am Hawaii Beach ein, der uns aber nicht umhaute. Mittags aßen wir ganz gesund bei MacDonalds in Koper, ehe wir die letzten zwei Stunden nach Bled in Angriff nahmen. Dort hatten wir leider kein Wetterglück mehr. Bei heftigem Regen wurde die Wanderung zum Aussichtspunkt Ojstrica zum Wagnis – besonders für eine schwangere Frau! Dennoch bewältigten wir den Klettersteig (teils mit angebrachten Ketten im nackten Fels) und wurden mit einem netten Blick über den berühmten Bleder See belohnt. Unser Hotel war das direkt am See gelegene Anwesen Villa Preseren aus dem 19. Jahrhundert. Es sah schick aus, die Rippchen schmeckten hervorragend – verursachten aber bei mir eine heftige Lebensmittelallergie, die die letzten Urlaubstage doch sehr trübte.

Auf dem Rückweg wollten wir eigentlich noch hinauf zum Kehlsteinhaus. Doch es war zu neblig, sodass wir davon absahen. Außerdem hatte die Dokumentation Obersalzberg wegen Renovierung geschlossen. Das müssen wir also eines Tages nachholen. Auch den Königssee ließen wir aus und fuhren nach Ramsau. Leider hatten wir vergessen, dass heute ein Feiertag war. Entsprechend krass war der Betrieb vor Ort. Das minderte zwar nicht die Schönheit der berühmten Kirche St. Sebastian, aber der Hintersee samt Zauberwald war sowohl überlaufen als auch vernebelt, sodass wir früher als geplant in Hardi´s Hotel in Inzell eintrafen. Im Ort gingen wir essen, genossen am nächsten Morgen ein sehr üppiges Frühstück bei der netten Inhaber-Familie und entschieden uns dazu, entgegen dem Ursprungsplan doch bereits freitags in einer Tour durchzufahren. So hatten wir noch entspannte zwei Tage daheim vor uns, ehe es wieder auf die Arbeit ging.

Der Zeitraum war optimal gewählt, um noch einmal Kraft zu tanken für die Geburt und die ersten Lebensmonate unseres Sohnes. Sara sagte später, es hätte keine Woche länger dauern dürfen. Denn nun spürte sie jeden Tag. Waren Wanderungen und längere Fahrten in der ersten Urlaubswoche noch problemlos möglich, so fiel in der zweiten Woche doch schon alles sehr schwer. Trotzdem war es einfach toll, diese Zeit noch einmal ganz bewusst gemeinsam zu erleben.

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